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Von F. W. Hackländer. 461
bedeutendes näher gerückt, hatten die langweilige, unangenehme Tour von Madrid hieher glücklich umgangen und den angeſtrengten Ritt hinter uns, auf wenige Stunden vor uns aber die prächtige Sierra Morena, und in nächſter Nähe eine wohlbeſetzte Tafel mit dem funkelnden Valdepeßas⸗ Wein, beſaßen hierzu tüchtigen Hunger und Durſt, und dies alles zuſam⸗ mengenommen verſüßte in etwas die fehlgeſchlagene Hoffnung, von den Freunden herzlich bewillkommt zu werden.
Nach gründlicher vollbrachter Mahlzeit, ausnahmsweiſe bei einer Taſſe Kaffee, zu der eine von den wenigen guten Cigarren, die wir noch beſaßen, nicht fehlte, ward unſer mißlungenes Rendezvous beſprochen und mit Zu⸗ ziehung des Kellners auch in ſeinen Folgen von allen Seiten beleuchtet. Die nächſten Eilwagen, von denen einer unſere Freunde höchſt wahrſchein⸗ lich brachte, erreichten Valdepeñas alſo erſt in der kommenden Nacht gegen drei Uhr Morgens. Was war nun zu thun? Wollten wir die Reiſegefähr⸗ ten hier erwarten, ſo durften wir natürlich nicht zu Bette gehen oder mußten ſchon um zwei Uhr wieder aufſtehen. Beides recht unangenehm. Kommen ſie aber morgen auch noch nicht, ſo hatten wir von Valdepeñas nach Santa Elena auf der Höhe der Sierra Morena bei zehn Leguas, einen gar zu langen Weg, und dazu keine Pferde, die, wie der Kellner uns verſicherte, hier in Valdepeñas ſchwer zu bekommen ſein ſollten. Wir beſchloſſen dem⸗ nach, noch heute Nachmittag auf irgend eine Art nach Santa Eruz, am Fuße des Gebirges, zu gelangen und den Freunden ein Schreiben zurück⸗ zulaſſen, worin wir ihnen unſeren Entſchluß anzeigten und zugleich, daß wir dort in der Venta„zum halben Monde,“ wo die Eilwagen wenige Minuten anhielten, zu finden ſein würden.
Der Kellner, der das Haus voller Fremden hatte und uns deßhalb kein anſtändiges Zimmer abtreten konnte, billigte unſern Entſchluß und meinte, das beſte Mittel, um auf angenehme Art nach Santa Cruz zu kommen, ſei, ſich einer der vielen Galeras(Frachtfuhrwerke) anzuvertrauen, die jeden Augenblick am Hauſe vorbeipaſſirten. Wir ſchrieben alſo unſere Briefe an die Freunde, trugen einen hinüber in den andern Gaſthof, und als wir zurückkehrten, hatte der Kellner auch bereits eine vortreffliche Fahr⸗ gelegenheit, wie er ſagte, für uns aufgefunden.„Man kann ſich hier nicht jedermann anvertrauen,“ ſprach er mit hoch empor gezogenen Augenbrauen und einem wichtigen Schwenken ſeiner Serviette;„aber da draußen iſt einer


