Jahrgang 
1855
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Von C. Lemcke. 267

den Gute, das ihm ebenfalls gehörte, nachzuſehen und einige Angelegen⸗

heit en zu beſorgen.

Wollen wir, ehe wir zu Förſters gehen, auch noch etwas genießen, liebe Frau Pfarrerin? fragte meine Tante. Wir hatten nämlich den Abend vorher verabredet, am Nachmittage den Förſter zu beſuchen. O nein, wir werden beim Gehen zu heiß und dann die Förſterin würde es auch übel nehmen, wenn ſie es erführe. Sie wiſſen ja, wie ſiif Die Strohhüte wurden aufgeſetzt, die leichten Tücher über den Arm genom⸗ men und langſam machten wir uns auf den Weg.

Ach, ich muß noch einige Roſen für Luiſe mitnehmen. Sie liebt ſie ſo ſehr! rief mein Mühmchen.Geht nur voran, ich komme gleich nach. Roſen? Ich pflücke ſie ſo gern!Ja, Tante, wir kommen gleich, geht nur langſam! ſprach ich nach.Einige Roſen! Die liebens⸗ würdige Erzieherin und der junge Gottesgelahrte liebten ebenfalls Roſen zu pflücken, und ſo liefen wir lachend in den Garten, brachen eine unnütze An⸗ zahl von Blumen und gingen dann langſam den Vorausgegangenen nach.

Ich kann nicht helfen, ſagte mein Mühmchen, aber ich kann mit Mama und der Pfarrerin nicht ſo langſam gehen. Ich muß vor Ungeduld dabei umkommen. Die Erzieherin und der Candidat ſtimmten eifrigſt bei. Sie hatten recht. Abgeſehen von der Pfarrerin nahm auch meine Tante, ſo rührig und lebendig ſie im Hauſe war, im Freien einen Gang an, der zur Verzweiflung führen konnte. Mein Onkel ging deßhalb auch nicht über hundert Schritte mit ihr. War der Weg weiter, ſo mußte Fritz anſpannen.

Leider war der Weg viel zu kurz, ſo langſam wir auch gingen. Ich glaube, wir brauchten noch längere Zeit als die Tante und die Pfarrerin, denn bei unſerem Anlangen ſpielten die kleinen Geſchwiſter Emiliens ſchon mit den Förſterskindern vor dem Hauſe, ein Zeichen, daß ſie ſchon geraume Zeit angekommen, indem der unausbleibliche Kuchen oder irgend ein Naſch⸗ werk von ihnen bereits verzehrt war. Die älteſte Tochter des Förſters eilte uns entgegen. Der Sohn war Jäger, ſtand aber gerade militärpflichtig bei dem Jägerbataillon in Schwerin.

Die zärtlichen Begrüßungen, welche Mädchen, vorzüglich in der Gegen⸗ wart junger Männer, mit ungemeiner Innigkeit und Dauer auszutauſchen pflegen, wurden auch hier nicht übergangen. Dann kamen wir Herren nach einem plötzlichen Zuſammenſchrecken der Damen an die Reihe, und nach ver⸗ ſchiedenen verſchämten Knickſen und verlegenen und meinerſeits unnützen