260 Ein Schickſal.
zu ſehen.— Obgleich die Gedanken in ſeinem Kopfe heftig tobten und wů⸗ theten und an dem eiſernen Gitter rüttelten, ſo daß es ihm war, als ſtröme über ihn hinweg ein brauſender Waſſerfall, deſſen Getöſe er nur zuweilen zu dämpfen vermochte, wenn er den Kopf recht feſt mit beiden Händen drückte, ſo fühlte er doch, wie beim Anblick all der bekannten Gegenſtände auch ihr Bild langſam bei ihm auftauchte und wie ſo nach und nach einzelne Züge deſſelben wie leuchtende Blitze durch die Nacht zuckten, welche ſein Ge⸗ dächtniß umgab. Umſonſt aber verſuchte er dieſe einzelnen Züge feſtzuhalten, um ein Ganzes daraus zu formen; er brachte es trotz der unſäglichſten Mühe nicht zu Stande, und da er das fühlte, faltete er ſeine Hände und hob ſie wie flehend in die Höhe. Ein lautes Klopfen an die äußere Thüre des Nebenzimmers, dem der Hüter im Wandſchranke mit doppelten Schlägen und Rufen antwor⸗ tete, ließ ihn zuſammenfahren und brachte ihn aus ſüßen und ſchrecklichen Träumen in die Wirklichkeit zurück; er blickte raſch um ſich her und als er auf einem Nebentiſche ein kleines Käſtchen bemerkte, nahm er dieſes zu ſich und ging damit in das äußere Zimmer zurück. Dort ſtellte er es auf den Tiſch, und da er keinen Schlüſſel fand, um es zu öffnen, ſo drückte er das Ende eines elfenbeinernen Lineals ſo kräftig in den Spalt unter dem Deckel, daß das ſchwache Schloß nachgab und das Käſtchen aufflog. In demſelben befanden ſich zwei Revolver der feinſten engliſchen Arbeit; der junge Mann lächelte eigenthümlich, als er ſie betrachtete; dann horchte er einen Augen⸗ blick auf das Geräuſch an der äußern Thüre, an der noch zuweilen geklopft wurde, und wo ſich alsdann ein paar Stimmen vernehmen ließen, die zu⸗ ſammen ſprachen, worauf er vorſichtig, aber eilig die Läufe der Revolver aufſchraubte, ſie mit einem guten Schuſſe lud, dann an jeden eine Zünd⸗ kapſel ſetzte und hierauf die beiden kleinen Piſtolen vor ſich auf den Tiſch legte. Nachdem dies gethan, ſchien der Kranke einen Augenblick zu über⸗ legen und ſchritt dann gegen die äußere Thüre, an welcher wiederholt ge⸗ klopft wurde und vor welcher er immer noch ſprechen hörte, ohne etwas verſtehen zu können.„Wer iſt draußen?“ fragte der Baron nach einer klei⸗ nen Pauſe, wobei er ſeine Hände an den Drücker und den Riegel der Thüre lehnte.„Frangois!“ erklang es von draußen;„er will herein.“—„Fran⸗ gvis wird hereinkommen, wenn es mir gut dünkt.“—„Oho!“ hörte man die Stimme des Bedienten. Und dann rief er lauter:„Ich bin's ja, Herr Krämer, machen Sie doch auf!“


