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Von Adolf Stahr.
VIII. Den 6. September 1854.
An den Schaufenſtern der Kramläden hängt ein Bild von Helgoland aus der Vogelperſpektive von Süden her geſehen, das die Geſtaltung dieſes wunderbaren Naturräthſels ſehr anſchaulich darſtellt.
Der gewaltige rothbraune Felsblock, welcher ſich in einer Höhe von 193 Fuß aus dem Meere ſchroff emporſteilt, hat die Geſtalt eines ſtumpf⸗ winkligen Dreiecks, deſſen kleinſte Seite parallel mit Oſten liegt.
An dieſer kleinſten öſtlichen Seite ſchließt ſich der Sohle des Felſens das ſogenannte Unterland an, eine gegen das Meer hin je nach der Fluth oder Ebbe, in einem Falle von 15— 20 Fuß ſich abwärts ſenkende Schuttablagerung. Die Geſtalt dieſes Vorlandes bildet gleichfalls ein Drei⸗ eck. Die nach Süden gerichtete Baſis deſſelben iſt eine Curve, deren Linie von der ins Meer auslaufenden ſüdöſtlichen Landzunge ausgeht. Dieſe Landzunge, welche in ſtetigem Zunehmen begriffen iſt, da ihr die Fluth von dem Gerölle, das ſie an der Nordſeite der Inſel abſpült, fortwährend Ver⸗ ſtärkung zuführt, iſt ſo zu ſagen beweglich. Denn während die Stürnie aus Nordweſten ihre äußere Spitze nach Südoſten herumwerfen, üben die von der entgegengeſetzten Seite heranbrauſenden Orkane die entgegengeſetzte Wirkung. Die Länge des Unterlandes an dieſer Seite durchmaß ich von der Oſtecke am Fuße des Felſens bis zur Spitze der Landzunge bei ge⸗ wöhnlicher Fluth mit etwa ſiebenhundert Schritten. Bei der Ehbe zieht ſich das Meer an der Spitze noch um weitere 15— 20 Schritt zurück. Das Unterland iſt im Ganzen ſeit den letzten hundert Jahren bedeutend angewachſen und erhöht. Vor zweihundert Jahren ſtanden noch alle Wohn⸗ häuſer der Inſulaner oben auf dem Felſen, während ſich auf dem damali⸗ gen Unterlande nur wenige Hütten zur Aufbewahrung von Fiſchergeräthen, und dieſe dicht an der Sohle des Felſens befanden. Jetzt hat ſich auf dem Unterlande eine eigne kleine Stadt gebildet, deren Grund und Boden, zumal bei dem fortwährenden Anwachſen der öſtlichen Landzunge, ſelbſt gegen die
höchſten Fluthen hinreichend geſchätzt iſt.
Das Oberland auf dem Rücken des Felsblocks beträgt kaum den hun⸗ dertſten Theil einer geographiſchen Quadratmeile. Die größte Länge des Plateaus iſt 5750, die größte Breite 1840 Fuß. Aber es gibt auch eine Stelle am Nordende, wo man die Breite mit kaum hundertunddreißig Schritten durchmißt. Das Plateau ſenkt ſich von Südweſſen gegen Nord⸗


