220 Helgolandika.
natürlichen Schutzwehren nichts gethan hatten, ſahen, ſeit die Düneninſel als Badeplatz ihre Hauptnahrungsquelle geworden war, die Verminderung derſelben mit Schrecken. Eine Verordnung verbot jetzt ſogar Sand von der Düne nach der Inſel überzuführen, wenn nicht von der letzteren aus eine gleiche Anzahl von Körben mit Strandgeröll gefüllt als Erſatz nach der Sandinſel gebracht würde! Allein ſonſt geſchah und geſchieht nichts für die
Erhaltung der Düne. Es fehlt weniger an Mitteln, als an Energie und beſonders an einmüthigem Zuſammenwirken der Helgolander, und das bri⸗ tiſche Gouvernement thut gleichfalls nichts, um die Inſelbewohner durch
d
Erhaltung der Düne vor einem Schickſale zu ſchützen, deſſen Folgen für das kleine Eiland von vernichtender Wirkung ſein müſſen. Gegenwärtig beträgt die größte Länge der Inſel zur Fluthzeit nur etwa noch ſiebzehnhun⸗ dert, die größte Breite gegen fünfhundert Schritt.
Wer die Düneninſel zum erſtenmal bei Fluthzeit ſieht, dem erſcheint ſie in Form einer gegen Südoſten ſich zuſpitzenden Ellipſe. Ganz anders iſt es, wenn das Meer in der Ebbezeit zurücktritt. Dann dehnt ſich gegen Süden kin langer geröllbedeckter Sandrücken aus, während weſtlich ein großer flacher⸗feſter Sandſtrand ſich hinbreitet. Auf dieſem breiten Strande wird gebadet, ſeltener an dem entgegengeſetzten viel ſchmaleren öſtlichen, der ſich viel tiefer geneigt ins Meer ſenkt, und auf dem die Fluth faſt bis an den Fuß der Hügel heranſpült. Dazu iſt der Strand ſelbſt von Steingeröll be⸗ deckt, und wer von einer ſtarken Welle beim Baden umgeriſſen wird, trägt nicht ſelten erhebliche Verletzungen davon, wie ich das ganz kürzlich ſelbſt erfahren habe. Auf dem flachen Badeſtrande der weſtlichen Seite, welcher aus reinem feſtem Sande beſteht, beträgt der Rücktritt des Waſſers durch die Ebbe zwiſchen fünf und ſechshundert Fuß.
Die Düne beſitzt einen Brunnen, deſſen Waſſer ſehr wohlſchmeckend iſt. Gewöhnlich glaubt man, daß dieſer Brunnen durch Meerwaſſer ge⸗ ſpeist werde, indem der Salzgehalt demſelben bei der Filtrirung durch den Sand entzogen werden ſolle. Es gilt aber jetzt als ausgemacht, daß das Waſſer dem Brunnen nur durch athmoſphäriſche Niederſchläge zugeführt wird. Ich
fand es ſehr rein und wohlſchmeckend. Bei ſtürmiſchem Wetter wird es aber leicht brakig, weil die athmoſphäriſchen Waſſer dann den aus dem Meere
aufs Land gewirbelten feinen ſalzigen Waſſerſtaub, den man ſelbſt beim Ein⸗ athmen der Luft ſchmeckt, mit ſich nach der Tiefe führen. Dieſelbe Urſache führt auch bei den beiden einzigen Brunnen, welche die Felſeninſel beſitzt, die gleiche Wirkung herbei.


