Von Bernd von Guſeck. 15
aus einer Groſchenbude!“— Frau Sichart, welche mit Aufmerkſamkeit zu⸗ gehört hatte, wechſelte mit ihrem Manne einen Blick: beide verſtanden ſich. Mit Riedel war hier kein Verſtändniß möglich. Mißt ſich der Werth, den manche Dinge für uns haben, denn immer nach Thalern und Groſchen?— „Wir wollen einſtweilen gegen niemand von der Sache reden,“ ſagte Sichart. „Hören Sie, Riedel? Es macht unter ehrlichen Leuten nur böſes Blut, und der Graf iſt ohnehin nicht beliebt in der Gegend. Ich werde mit ihm Rück⸗ ſprache iehmen.“ Ridel hatte nun den Reſt ſeines Frühſtücks, bei welchem er durch Flora geſtört vorden war, verzehrt, ſäuberte ſeinen anſehnlichen Mund mit dem auen humwollenen Taſchentuche, beſprach mit dem Gutsherrn noch einige Wirthſeaftsangelegenheiten und ging dann ſeinem Tagewerke nach. Das Ehepag konnte nun erſt über die Mittheilung des Grafen die Meinungen austaußen, welche in beiden ziemlich übereinſtimmend geweckt worden waren. Die Korallenſchnüre, der ſilberne Haarpfeil, das Medaillon— von wem rirten dieſe Angedenken her? Legte der Graf wirklich noch Werth auf ſie? Un wie kam es, daß er beinah öffentlich Schritte zu ihrer Wiedererlan⸗ gung tſt, da er doch wohl Grund hatte, dieſe Zeugniſſe ſeiner Vergangen⸗ heit deiſtrengen Auge einer unerbittlichen Richterin zu entziehen?
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Unter Trümmern und Aſche war die Glut in dem niedergebrannten
llee des Schloſſes Hohenſtein noch immer nicht ganz erſtickt. Starke
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auchwolken wirbelten empor, wenn die Spritzen, von denen einige auch heut
och in Thätigkeit waren, ihre Waſſerſtrahlen auf die bedenklichſten Stellen ichteten; von Zeit zu Zeit ſchlug ſogar noch eine Flamme hervor, welche je⸗ voch machtlos gleich wieder zurückſank. Wirkliche Gefahr war nicht mehr vorhanden. Der Graf hatte die meiſten der Leute, die ihm aus der Nachbar⸗ ſchaft bereitwillig zu Hülfe geeilt waren, mit ihren Gemeindeſpritzen wieder entlaſſen und reichlich belohnt; nur aus den nächſten Dörfern, ſo auch aus Bornau, hielten noch Mannſchaften aus, um einen neuen Ausbruch des Feuers zu verhüten. Nach Bornau hatte der Graf ſeinen Reitknecht mit dem Briefe an Sichart geſchickt, er erwartete ihn mit der Antwort noch immer vergebens zurück, und da er ſeit ſeiner Ankunft faſt die ganze Nacht beim Feuer zugebracht und ſich erſt gegen Morgen, als die größte Gefahr vorüber ſchien, eine kurze Zeit zum Schlaf gegönnt hatte, dann aber gleich nach dem


