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480 Aus Näh' und Ferne.
gegen den Stieper, hielt mit der andern Hand das Rad und ſtand feſt wie ein Fels. Das Boot erreichte das Ufer; alles an Bord wurde ge⸗ rettet, nur Maynard brach zuſammen und gab ſeine wackere Seele zurück in die Hand Gottes.
17. Georg Stephenſon als Schuhflicker.
Der nachmals ſo berühmte Eiſenbahn⸗Ingenieur Stephenſon ſtand, als er zwanzig Jahr alt war, zu Black Callerton als Bremſer im Dienſt und hatte in dieſer Stellung dafür zu ſorgen, daß die Maſchinerie, ver⸗ mittelſt welcher die Kohlen zu Tage gefördert wurden, im gehörigen Gang blieb. Da er bei dieſem Geſchäft, namentlich wenn ihm der Nacht⸗ dienſt zufiel, viel freie Zeit hatte, die er nach Gutdünken benützen konnte, ſo ſuchte er ſich dadurch einen kleinen Nebenerwerb zu verſchaffen, daß er ſeinen Kameraden die Schuhe flickte. Später machte er auch neue Schuhe, ein ehrgeiziges Unterfangen, zu welchem er geſpornt wurde, weil er um jene Zeit einem achtungswerthen jungen Mädchen vom Dorf, Namens Fanny Henderſon, die in einem Bauernhauſe diente, den Hof machte. Sie war nicht nur hübſch von Geſtalt, ſondern auch verſtändig, ſittſam und liebreich, weßhalb Stephenſon entſchloſſen war, ſie, wenn ſie einwilligte, ſeiner Zeit als Frau heimzuführen.— Eines Tages vertraute ihm auch Fanny ein paar Schuhe zum ſohlen an. Es läßt ſich leicht denken, mit welcher Freude er an dieſe Arbeit ging und mit welchem Stolz er ſie be⸗ endigte. Ein noch lebender Freund Stephenſons erzählt, wie dieſer die Schuhe, nachdem er ſie fertig hatte, den ganzen Sonntag Nachmittag in der Taſche herumtrug, von Zeit zu Zeit hervorzog und zu ſich ſelber ſagte: „Iſt dies nicht eine prächtige Arbeit?“ Sonſt pflegen Liebhaber ſich auf den Beſitz einer Haarlocke, eines Handſchuhs, eines Taſchentuches etwas zu gut zu thun; ſicherlich hätte aber unſerem Georg nichts eine größere Freude machen können, als die Paar Schuhe in ſeiner Taſche, die er für ſeine Fanny geſohlt und an denen er eine ſo prächtige Arbeit geliefert hatte.


