Jahrgang 
3 (1864)
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Die Zeſchießung von Kopenhagen. Von Reinhold Seeger.

Der Friede von Tilſit war geſchloſſen. Die beiden Militärkoloſſe Europa's, Rußland und Frankreich, hatten ſich am 25. Juni 1807 mitten auf dem Fluſſe Niemen, unter dem Baldachin eines feſtlich geſchmückten Floſſes geeinigt. Kaiſer Alexander, leicht von einem Extrem zum andern überſpringend, war aus einem Gegner Napoleons raſch zu einem ſchwär⸗ meriſchen Bewunderer desſelben geworden, worüber die preußiſche Mo⸗ narchie beinahe in Stücke ging. Napoleon war die Hauptſache bei dieſer diplomatiſchen Freundſchaft, daß er Alexander in ſeine gegen England gerichteten Pläne hineintrieb, dieſem, daß er durch Eroberungen in Schwe⸗ den und der Türkei ſein Reich vergrößerte. Was dem einen Hauptſache war, war dem andern Nebenſache, eine gegenſeitige Täuſchung, welche nicht auf die Länge haltbar war und fünf Jahre darauf zum Kriege führte.

Napoleon ſtand damals auf dem Gipfel ſeines Glückes. Weder der Volkskrieg in Spanien noch die Schlacht bei Aspern war dazu ange⸗ than, die Glorie des modernen Kriegsgottes zu vermehren. Auf dem ganzen Kontinent hatte er keinen bedeutenden Gegner mehr, und was nicht ſchon Vaſallenſtaat war, ſollte eben durch den Tilſiter Frieden dazu gemacht, alle Kräfte zur Unterwerfung des letzten Gegners, des ſtolzen, unzugänglichen Englands verwandt werden. An Oeſterreich, Portugal, Schweden und Dänemark erging die Aufforderung, an dem Bunde gegen Großbritannien theilzunehmen, und dieſes, faſt all ſeiner Verbündeten be⸗ raubt, nur noch auf Schweden und Portugal als auf ſehr ſchwache Stützen

angewieſen, ſah ſich den ſchlimmen Abſichten ſeines Feindes wie der ein Hausblätter. 1864. III. Bd. 5