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Vou Edmund Hoefer. 57
kein Spaß, ſag' ich! Ich hatte im Leben noch kein Frauenzimmer ſo ge⸗ ſehen, und nun gar die Agnes! Und dazu hatte ſie mir geſagt, daß ſie mich lieb habe!— Lieber Gott, da vergaß ich des Sultans Bellen und die Alten und den„kleinen Gottfried“ und ſagte nur:„haſt du mich wirklich ſo lieb, Agnes?“—„O lieber Gott, ja, und ich laß dich nicht hinunter,“ verſetzte ſie bebend.„Ich— ai Jeſus!“ ſchrie ſie auf und fuhr mir noch feſter in die Arme, denn meine Thür wurde aufgeriſſen, es guckte ein Kopf in der Nachthaube herein und fuhr zurück. Doch hatt' ich wohl erkannt, daß es die Line war, die von oben herunter ge⸗ kommen und mich vermuthlich hatte rufen wollen.
„Was war das? Kommen ſie?“ ſchrie die Agnes auf.— Ich mußte lachen.„Nein,“ ſagt' ich,„die Line war's, die hinunter iſt und nach mir hat ſehen wollen. Laſſe mich, liebe Agnes, ich muß wahrhaftig—.“ — Sie ließ mich in der That los und guckte mich groß an, dann in der Stube umher, dann wieder auf mich.„Die Line?“ flüſterte ſie,„und ich hier, in Gottfrieds Stube? O du gerechter Heiland, was werden ſie nun von mir ſagen!“ Und damit ſchlug ſie die Hände vor's Geſicht und fing an zu weinen und zu ſchluchzen, als wolle ihr das Herz brechen.— „Was ſie ſagen werden?“ wiederholte ich und legte meinen Arm um ſie; „daß du meine Braut biſt! Und ich wollte den ſehen, der noch ein an⸗ deres Wort zu ſagen wagte! O liebſte kleine Agnes, was bin ich für ein glücklicher Menſch! Denn ich habe dich ja längſt lieber als mein Leben, bloß daß ich's nicht zu ſagen wagte, weil ich mir gar nicht denken konnte, daß du mich lieb hätteſt. Haſt mich ja ſo viel geneckt und ver⸗ ſpottet! Aber nun iſt alles gut! Nun iſt's mir ordentlich lieb, daß die Line uns geſehen, nun muß es gleich heraus.“
Ich muß aber der Wahrheit gemäß bekennen, daß in Wirklichkeit meine Rede nicht ganz ſo nahe bei einander geweſen, wie ich ſie hier hin⸗ geſchrieben. Contrair hat bald die Agnes was dazwiſchen geſchluchzt, und ich hab' ihr das doch erſt beantworten und ſie tröſten müſſen. Unten an's Haus, von wo es übrigens auch nichts mehr zu hören gab, dachte ich in dieſem Augenblick mit keinem Gedanken, das geb' ich zu, und eben⸗ ſo, daß ich jetzt nicht leicht von ihr gegangen wäre. Ich hatte ihr viel zu viel zu ſagen, denn ſie wollte ſich noch immer nicht tröſten laſſen. Und auf meinen letzten Satz erwiderte ſie:„Und ich ſchäme mir die Augen aus! Und die Eltern können es ja gar nicht zugeben—“


