Von Edmund Hoefer. 37
täglich mehrere Zimmer beſetzt hatten, und mir, ſelbſt wenn die Dame mit mir hätte reden wollen, ging's nicht beſſer, ſo daß ſie ſich nur mit einer flüchtigen Auskunft begnügen mußte. Als ſie dann aber wieder ging und die Mutter ſie zur Thür begleitete, hatte ſie gemeint, der Dieb⸗ ſtahl wolle ihr gar nicht recht zu Sinn; der Juwelier ſei trotz all ſeinem Geſchäftseifer ein zerſtreuter Menſch geweſen, wie ſie ſelber es bemerkt; er habe in den erſten Tagen ein Etui mit Armband und Ohrringen, welche hernach eine ihrer Freundinnen gekauft, bei ihr liegen laſſen und erſt am folgenden Tage wieder darnach gefragt. Ob's nicht möglich ſei, daß er den Perlen- und Rubinenſchmuck etwa zum Goldſchmied oder ſonſt mitgenommen, liegen laſſen, wieder geholt, dann vielleicht verloren habe, ohne ſich daran zu erinnern?—„Da klagen Sie ja den Meiſter auf's ſchrecklichſte an, gnädige Frau!“ hatte meine Mutter geſagt.— Und die Dame hatte raſch erwidert:„Gott behüte, Frau Nachbarin, ich klage nie⸗ mand an. Ich meine nur, ob er nicht ſelber die Schuld an dem Verluſte haben könnte, da ja doch ein Diebſtahl faſt undenkbar!“— Meine Mutter hatte den Kopf geſchüttelt, das war doch ſelbſt für ihren einfachen und ziemlich leichtgläubigen Sinn ein wenig zu bunt, und mein ſeliger Vater und ich, da wir davon hörten, verſtanden's nun gar nicht. Contrair wurden wir mißtrauiſch gegen jemand, die mit ſolchen kurioſen Erklärun⸗ gen zu Platz kam.
Am nächſten Morgen ſtand ich, nachdem ich mich eben von einer abreiſenden Partie verabſchiedet, vor der Thür und guckte, die Hände in den Taſchen, in den trüben Morgen hinaus, der ganz und gar zu meiner Stimmung paßte, denn der verflixte Diebſtahl rumorte mir im Kopf und ließ mir, wie ſchon geſagt, keine zufriedene Stunde. Kurz mir war recht melancholiſch zu Muth. Und ich will nur geſtehen, daß dazu auch der Gedanke an die Agnes ein wenig mit beitrug. Das Mädchen war mir, ich weiß noch heut nicht recht wann und wie, allgemach dennoch immer näher an's Herz getreten, vielleicht deßhalb nur um ſo mehr, weil ich ſie jetzt ſeit Wochen kaum einmal von ferne geſehen und weil dazu meine Schweſter mich ungefähr ebenſolange auf den Strich genommen hatte und mir immer von einer ihrer Freundinnen vorſchwatzte, was die brav und charmant ſei, wie viel ſie mitbekomme, daß man zugreifen müſſe, und weiß der Himmel was noch alles, während ich die grade am allerwenig⸗


