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ſollte bedingungslos das ganze Vermögen übergehen, wenn auch Alphons ohne Hinterlaſſung von Leibeserben das Zeitliche ſegne. Der braſilianiſche Notar ſchloß mit der Bitte, ihm den Weg anzuzeigen, auf welchem die Uebermittelung der Erbſchaftsmaſſe nach Paris gewünſcht werde.
Ueber dieſes Schreiben muß der Notar Dupré lang und ängſtlich nachgedacht haben; denn nach ſeinem eidlichen Zeugniß zögerte er eine volle Woche, bis er die wichtige Nachricht Alphons Bertin und auch nur dieſem mittheilte. Weder gegen Julie von Bougainville noch gegen le Gros ließ er einen Wink darüber fallen. Wir haben bereits bemerkt, daß Alphons ſehr bei ihm in Gunſt ſtand; ja der Notar hätte ihn, wenn er ſein Sohn geweſen wäre, nicht mehr lieben können, und entwarf daher den Plan, daß der junge Mann ſeine Beziehung zu Joſephine Ramon abbrechen und Fräulein von Bougainville heirathen ſollte. Eine lange Conferenz mit ſeinem Schützling endete von Seite des letzteren mit dem Verſprechen, daß er die Modiſtin aufgeben und mit Julie vor den Altar treten wolle; dieſe dagegen ſollte erſt nach der Hochzeit erfahren, daß ihr ein ſo reiches Erbe zugefallen war. Zunächſt wurde ausgemacht, daß Dupré unverweilt die nöthigen Schritte einleite, um Fräulein von Bou⸗ gainville, die noch den Novizenſchleier trug, aus dem Kloſter zurückzu⸗ nehmen; die Trauung ſollte dann, da man an der Einwilligung der jungen Dame nicht zweifelte, öffentlich ſtattfinden. Doch ſchon einige Stunden nachher erhob Alphons Bertin, der inzwiſchen Joſephine geſehen hatte, Einſprache gegen ein ſo raſches Vorgehen. Er brauchte Zeit, um ſich zu bedenken— wir wollen ſagen vierzehn Tage. Da der junge Mann hievon nicht abgehen wollte, ſo fügte ſich der Notar darein und ſchoß ihm eine beträchtliche Geldſumme vor. Bald nach dem Empfang des Geldes verließ Bertin in großer Aufregung das Haus und zeigte ſeinem Principal in einem mit Bleiſtift geſchriebenen Billet, das er. in ſeinem Zimmer zurückließ, an, er werde vor Ablauf der ihm geſtatteten Bedenkzeit nicht wieder zurückkehren.
Der Termin war ſchon um zwei Tage überſchritten, als Alphons in ſpäter Nacht, zu Fuß und in einem ſehr auffallenden Zuſtand wieder bei dem Notar eintraf; ſeine Kleidung war zerfetzt und beſchmutzt, ſein Ge⸗ ſicht zerkrätzt und blutig. Sein ganzes Weſen bekundete hohe Aufregung; auch ſprach er in wirrer und unzuſammenhängender Weiſe von einem Raubanfall, der durch einen Mann und eine Frauensperſon an ihm ver⸗
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