Jahrgang 
4 (1863)
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196 Der ſchwediſche Trommler.

ſchwarzbemäntelten und zum Theile gar beleibten Herren mit aller An⸗ ſtrengung ſich vorwärts arbeiten ſah, der ſchwediſche Trommler in ſich hinein, indem er, die Arme auf dem Rücken gekreuzt, nachläßig durch die Straßen ging.Ich will gehängt ſein, wenn ihr heute Nacht ohne jegliche Mühe nicht ſchneller in die Höhe kommt, als jetzt mit all' eue⸗ rem Eifer gerade aus!

Eine Stunde nachher horchte der geſchworne Stadtbote am Schlüſſel⸗ loche des Rathſaales und vernahm, weil man ſehr leiſe ſprach, nichts weiter, als am Ende der Berathung die nachdrücklich geſprochnen Worte des Bürgermeiſters:Man muß den Schweden zuvor kommen! Sollte die Uhr des Domes für uns das Zeichen des Todes geben, ſo wird der Thürmer des Grafen Eckard eine Viertelſtunde früher mit zehn der Zeit voraneilenden Schlägen für ſie das Grab öffnen!Nach allem, was ich gehört habe, zu urtheilen, ſagte jetzt der Stadtbote gar weiſe zu ſich ſelbſt,wird der Todtengräber, der alte Meiſter Johannes, noch finſtrer werden, als er ſchon iſt, wenn der Thürmer da oben, der ohne⸗ dies ſchon hoch im Solde des Rathes ſteht, ihm obendrein in's Hand⸗ werk greifen darf. Gleich darauf ſchloß die Verſammlung. Die Siebener, die Viertelmeiſter, die Rathsherren einige bleich und fürch⸗ tend, andere roth vor Zorn, und wieder andere kalt entſchloſſen ver⸗ theilten ſich durch die Straßen, gingen von Haus zu Haus und ſprachen mit den Bürgern, am längſten mit ſolchen, welche ſchwediſche Soldaten beherbergten.

Es war tiefe Nacht geworden; aber aus den Fenſtern der Häuſer ſtrömte Licht, Lied und Lärm des Gelages, Becherklang und laute Luſt hinaus in die ſchweigenden Straßen. Denn die Bürger hatten ſich erin⸗ nert, daß gerade heute vor drei Jahren die Wonne und das Glück der ſchwediſchen Herrſchaft über ſie gekommen, und begingen den Tag mit einem Feſte, bei welchem dem ſchwediſchen Soldaten als ehrendem und geehrten Gaſte Dank ſei es der weiſen Vorſicht und Sorge der Raths⸗ herren, Viertelmeiſter und Siebener! der trefflichſte Wein in über⸗ flutendem Strome floß. 1

So gut es mir hier auch gefallen will, darf ich doch nicht ver⸗ geſſen, daß wir um zehn Uhr ziehen, weil es ſchade um mich wäre! ſagte ſich ſelber ſchmeichelnd der ſchwediſche Trommler, erhob ſich ſchwan⸗ kend vom Tiſche, an welchem er mit drei Bürgern ſaß, und ging ſchwer⸗

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