Frau
und
immer nz ent⸗ Gitte, ihre
a5 hat
e eine ervor⸗ rt und Lifte gertſch orgen,
Von Bernd von Guſeck. 17
jede nähere Berührung mit der Geſellſchaft und ſchlug, um ſich zu er⸗ gehen, den Pfad ein, auf welchem ſie niemand zu begegnen hoffte. Dies⸗ mal ging ſie allein, was auch nicht unbemerkt blieb. Hier und da wur⸗ den mit verdächtigem Lächeln bedeutungsvolle Blicke gewechſelt; der Aſſeſſor Witte ſetzte ſeinen Strohhut noch unternehmender auf das rechte Ohr und ſchien nicht übel Luſt zu haben, ihrer Spur in das einſame Gebüſch zu folgen.„Sie ſucht!“ raunte er ſeinem Nachbar, dem ſchlicht gekleideten mageren Seminardirektor zu.„Verdenken wir es einer Wittib nicht, die noch keineswegs überaltert iſt! Ich wette mit Ihnen, daß ſie aus ganz beſonderen Gründen nach Stolzenbrunn gekommen iſt. Sie hat ſich hier mit einem Freunde ein Rendezvous gegeben, und ich bin nur neugierig, wann er zum Vorſchein kommen wird.“— Arge Welt! Und Sie der Aergſte in der ſchlimmen Menſchheit!“ erwiderte der Direktor.
Alle erhoben ſich in dieſem Augenblicke und grüßten ehrfurchtsvoll der Aſſeſſor ſah ſich um und riß auch den Hut von ſeinem glänzend kahlen Scheitel. Es war der Fürſt, welcher vorüberging, freundlich dankte, dann aber ein paar Worte zu ſeinem Begleiter ſagte, der ſogleich zu der Ge⸗ ſellſchaft ging und ſeinen Auftrag beſtellte.„Durchlaucht laſſen bitten, gegen Sie durchaus nicht mehr Rückſicht zu nehmen, wie gegen jeden anderen Badegaſt; es wird von Seiner Durchlaucht für eine ganz be⸗ ſondere Attention gehalten werden, wenn Sie ſich durch ihn niemals derangiren laſſen, namentlich ſich nicht von Ihren Plätzen erheben. Durch⸗ laucht rechnen darauf.“—„Sehen Sie, meine Herrſchaften,“ ſagte der Aſſeſſor, als der Cavalier ſeinem Herrn nachgeeilt war,„das iſt ein Fürſt, wenn auch ein mediatiſirter! Seine Ahnen haben als ſouveräne Landes⸗ herren mit Kaiſern und Churfürſten auf dem Reichtstage ebenbürtig ge⸗ ſeſſen, und er will hier nur ein ſchlichter Badegaſt ſein, wie wir, lieber Direktor, und wie der arme Orgelbauer dort drüben. Die Freifrau da⸗ gegen—.“—„Sie fangen an, recht langweilig zu werden, unterbrach ihn die dicke Räthin.„Können Sie denn nur ein einziges Lied pfeifen?“ Das war etwas ſtark, denn es enthielt noch eine ziemlich unverblümte, nicht eben ſchmeichelhafte Anſpielung auf einen gewiſſen ominöſen Vogel, deſſen Namen der Aſſeſſor Witte gewiß nicht verdiente— er war nur zu klug! Indeſſen mochte er wohl ſeine Gründe haben, den Handſchuh, welchen ihm die Dame gelaſſen hinwarf, nicht aufzunehmen, denn er ſagte
Hausblätter. 1863. IV. Bd. 2
—
—
—


