Jahrgang 
3 (1863)
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Von Wilhelm Müller. 473

ging es unter dem Klang der Trompeten auf den Feind los; York folgte an der Spitze ſeines Fußvolkes.

Dieſer entſcheidenden Bewegung der Preußen konnte der Feind um ſo weniger widerſtehen, als zu gleicher Zeit Sacken, deſſen Kavallerie den Andrang der Franzoſen muthig ausgehalten hatte, ſeine Reitergeſchwader rechts ſchwenken und von Eichholz und Kleintinz her den Feind in der Flanke und im Rücken faſſen ließ. Mehr als 8000 Reiter kamen in's heftigſte Handgemenge mit einander. Während die feindliche Reiterei ſchon zurückgeworfen war, auf ihr eigenes Fußvolk ſich ſtürzte und es in Verwirrung brachte, tauchte neuer Zuzug von den Hohlwegen auf; drei Kavallerieregimenter errangen einen Augenblick Erfolge, wurden aber gleich darauf ebenfalls zurückgeworfen, und als Marſchall Macdonald ſelbſt mit einem friſchen Reiterregiment durch das wilde Gewühl der Fliehenden ſich vorzuarbeiten ſuchte, vermochte auch er dem Siegesdrang der Preußen und der durch den Donner der Kanonen beflügelten Haſt ſeiner geſchla⸗ genen Regimenter nicht zu widerſtehen.

Es war kein Halt mehr; in wilder Auflöſung ſtürzte alles der wüthenden Neiße und der Katzbach zu, die hoch angeſchwollen in reißender Wildheit dahinſchießend zahlreiche Opfer verſchlangen. Geſchütze, Muni⸗ tions⸗ und Bagagewagen wurden auf dem Plateau oder in den Hohlwegen und im Thale zurückgelaſſen; jeder ſuchte nur ſein Leben zu retten. Die Artillerie der Preußen und Ruſſen eilte bis an den Bergrand vor und überſchüttete dieſen verworrenen Knäuel der Fliehenden mit Kartätſchen. Alles ſuchte über die Brücke bei Niederkraye zu entkommen, wo ein furcht⸗ bares Gedränge, ein unaufhörliches Stocken entſtand. Die Flüchtlinge ſuchten an anderen Orten hinüber zu kommen, ſprangen bis nach Dohnau hinab, um einen Steg über die ſo franzoſenfeindliche Neiße zu finden. Nirgends gab es mehr einen, ſie waren alle fortgeriſſen. Viele ſtürzten ſich in der Verzweiflung in die Fluten, die meiſten ertranken. Es war, wie ein Augenzeuge ſagt, ein gräßlicher Anblick; das ganze Flußbett war von Wagen, Pferden und Menſchen, die mit dem Ertrinken und unter einander ſelbſt um die Rettung im Kampfe waren, wie gedämmt. Die ſchwarzen Huſaren und zwei oſtpreußiſche Bataillone folgten der flüchtigen Schaar bis Niederkraye und beſetzten Dorf und Brücke. Das Feuer der Artillerie dauerte vom Plateau fort, ſo lange der Feind noch jenſeits der Neiße zu erreichen war, und hörte erſt mit einbrechender Dunkelheit auf.