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Von Wilhelm Müller. 471
Angriff zu ſein ſchien, rief er:„Nun Kinder, habe ich genug Franzoſen herüber, nun vorwärts!“ Mit dem ſtürmiſchen Ruf:„Es lebe der König!“ ſetzte ſich Nachmittags drei Uhr das Corps in Bewegung.
Der linke Flügel Yorks griff zuerſt an. Er rückte raſch von Bell⸗ witzhof nach dem Kreuzberg vor, der am Rande des Plateaus oberhalb Schlauphof und Oberweinberg liegt, und warf ſich trotz des heftigſten Kartätſchenfeuers auf die dort aufgeſtellte feindliche Infanterie und Ge⸗ ſchütze. Ein Bataillon des brandenburgiſchene Infanterieregiments eilte unter Major Othegraven allen voran und ſtürzte ſich mit gefälltem Ba⸗ jonnet unter fürchterlichem Hurrahgeſchrei auf das mittelſte Quarré der franzöſiſchen Grenadiere. Das Quarré ſtand wie eingemauert. Die Preußen näherten ſich bis auf zwei Schritt.„Einen Augenblick,“ ſchreibt ein Offizier des Regimentes,„ſtanden unſere Leute ſo den Franzoſen gegenüber; von beiden Seiten ſah man einander an. Dann rieſen wir Offiziere:„drauf! drauf!“ und nun nahm der Soldat das Gewehr ver⸗ kehrt und ſchlug mit dem Kolben in die Franzoſen hinein. Schnell wurde das Quarré, da wir in Linie ſtanden, rechts und links umzingelt und ſo von allen Seiten mit Bajonnet und Kolben angegriffen. Jetzt war an kein Pardongeben mehr zu denken, und nach zehn Minuten lag das ganze Quarré da zu Boden geſchlagen und in eine Pyramide verwandelt. Etwa 150 Lebendige und leicht Bleſſirte fanden ſich hernach noch aus dem niedergeſchlagenen Menſchenhaufen heraus; dieſe wurden als Gefan⸗ gene zurückgeſchickt.“ Indeſſen waren auch die übrigen Bataillone an den Feind herangedrungen, warfen ihn zurück, und eine Reiterabtheilung nahm ihm neun Geſchütze ab.
Der Feind wich zurück, die übrigen Kolonnen der Preußen rückten vor. Dies hielt Oberſt Jürgaß für den günſtigen Moment zu einem Reiterangriff. Er hatte einige Tage vorher, als die Nationalkavallerie zum erſtenmal einhauen ſollte, dieſer eine vortreffliche Lehre mit auf den Weg gegeben.„Die Franzoſen,“ ſagte er ihnen,„pflegen beim Andringen der Preußen eine Karabinerſalve zu geben; laßt euch dadurch nicht ſtutzig machen, ſondern ſchlagt ihnen nur geradezu mit dem Säbel in die Freſſe!“ Auch heute ging er voll Munterkeit und Zuverſicht auf den Feind los. Mit zehn Schwadronen der weſtpreußiſchen und lithauiſchen Dragoner und der Nationalkavallerie, denen ſich eine halbe reitende Batterie an⸗ ſchloß, ſtürzte er ſich auf die Franzoſen. Die Nationalkavallerie ſtieß auf


