Wie Richter Lynch einmal nicht Meiſter wird. Von Wilhelm Herbſt.
Vor einigen Jahren maßte ſich der Richter Lynch in dem Bezirk T... von Florida eine ſehr ausgedehnte Jurisdiction an. Er nahm Notiz von allen Dingen und ſtrafte jede Verfehlung, gegen die im Geſetz nicht Vorſorge getroffen war. Kein Formfehler, kein Mangel an poſiti⸗ vem Beweis ſchirmte den Schuldigen gegen eine ſummariſche Züchtigung. Wenn eine Perſon durch Unbeſonnenheiten oder eine ungebührliche Auf⸗ führung ſich unbequem gemacht hatte, ſo durfte ſie darauf zählen, daß Richter Lynch bei ihr ſeine Correctivmittel in Anwendung brachte. Das Publikum konſtituirte ſich dann ſelbſt als große Jury, und das Indivi⸗ duum, das die öffentliche Meinung gegen ſich gekehrt hatte, wurde ge⸗ zwungen, ſich dem Urtheil des Richters zu unterwerfen, ohne daß da etwas protokollirt oder regiſtrirt worden wäre.
John Rodgers war ein Freund des Branntweins und, wenn er unter dem Einfluß dieſes Verſtandesdiebs ſtand, der unglücklichſte Menſch auf Erden. Von Natur aus ruhig und gutmüthig wurde er nach ſeinen Bechern lärmend, ſtreitſüchtig und unangenehm. Eines Tags hatte er ſich wieder überſehen, mit Gott und der Welt Händel angefangen und bei dieſer Gelegenheit eine Reiterpiſtole auf einen Knaben abgefeuert, welcher das Kompliment damit erwiderte, daß er ihn mit einer vollen Ladung Dunſt aus ſeiner Vogelflinte pfefferte. Der Abſtand zwiſchen den ſtrei⸗ tenden Parteien hinderte indeß, daß viel Schaden geſchah, und der Zwei⸗ kampf zwiſchen John Rodgers und dem Jockey wäre wahrſcheinlich unbe⸗ achtet geblieben, wenn nicht die Alters⸗ und Größen⸗Verſchiedenheit der


