Jahrgang 
3 (1863)
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464 In der Fremde verirrt.

ſchenherzen ſo wohl ſteht und in nichts der chriſtlichen Demuth wider⸗ ſpricht; denn er verſchließt ſich vor der Anerkennung der Welt und will nichts als das eigene Bewußtſein für ſein Streben haben. Er ſteht über der Gunſt des Glückes, wie über der Anerkennung der Welt.

Wohl fühlte Jerta, daß es für ſie noch eine Zeit ſchwerer Selbſt⸗ überwindung, unermüdeter Arbeit an ſich ſelbſt geben würde, ehe ſie zu dieſer wunſchloſen Ruhe gelangen könne; ſie verſtand, daß es ſo in ihre Hand gelegt ſei Heinrichs Heimkehr in die Heimat zu verzögern oder zu beſchleunigen. Er glaubte von ihr, daß ſie es einſt vermögen werde, und ſo wußte ſte, daß ſie das ihr von ihm geſteckte Ziel erreichen werde. Als ſie ihm mit ruhigem tiefem Blick die Hand zum Gelöbniß reichte, daß ſie ſein Vermächtniß annahm, da war es auch zum Zeichen, daß dieſe Stunde ſie getrennt und vereint habe fürs Leben, ein Band gelöſt, um ein anderes zu ſchließen.

Eine ächte Tochter ihrer ſagenreichen Heimat, kannte Jerta alle ihre Märchen nicht bloß, ſondern ſie wußte auch, daß ſie heut noch Wahrheit enthalten, ſtündlich noch geſchehen. Einmal öffnet ſich jedem die Pforte zum unterirdiſchen Feſtſaal des Geiſterkönigs, einmal liegen alle Schätze des Glücks und des Lebens vor ihm ausgebreitet, funkelt das Edelgeſtein, glüht das rothe Gold im ſchönen, alles verklärenden Lichte. Aber nur eine Stunde iſt es, in der Blüthezeit des Jahres, wo der verzauberte Berg ſeine Pforten aufthut, eine geweihte, zaubererfüllte Stunde. Wenn der Geblendete nach dem Nächſten bloß greift, nach dem Blendendſten, und dann mit ſeinem aufgerafften Schatze entflieht, ſtatt kühn bis an die Stufen des Thrones zu treten, wo der Geiſterkönig ſitzt; wenn er die blaue Blume vergißt, vor der allein die unſichtbaren Pforten aufſpringen und ſie verwelken oder gar achtlos zu Boden fallen läßt, dann führt kein Weg ihn wieder zurück zu der verſcherzten Herrlichkeit, und wenn er auch das in der Eile Erraffte im Licht des nächſten Morgens nicht als ächtes Gold vorfindet, nur blitzendes aber todtes Geſtein nach Hauſe trug.

Wohl gibt es viele, die nach dem Feſte des Geiſterkönigs ſich's noch wohl und vergnüglich ſein laſſen können bei Jahrmarktsfeſten und Kir⸗ meßtagen; von dem jungen Hirten aber erzählt die Sage, daß er den Verluſt der blauen Blume nie zu verſchmerzen vermochte, daß er ſtill