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In der Fremde verirrt.
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Tante und ſeufzte leiſe; zwiſchen dieſen gleich harten, herrſchſüchtigen und unnachſichtigen Menſchen ſollte ſie das kleine Schiff ihrer Hoffnungen und Wünſche glücklich vorüber in den ſichern Hafen ſteuern. Würde ſie es vermögen, das fragte ſie ſich ſchon lange, und immer zögernder wurde das Ja, das ihr Herz aus Ettore Landrini's Augen las.
„Fordern Sie nicht dieſen Verſuch, Hektor,“ bat ſie leiſe, wohl wiſſend, wie viele ſpähende Augen jetzt auf ſie und Landrini gerichtet ſeien, da man ein zwiſchen ihnen beſtehendes Verhältniß ahnte und doch keine Gewißheit dafür haben konnte. Es war eine kluge, wohlberechnete Politik, ſeine gewichtigſten Forderungen ſtets in Augenblicken zu ſtellen, wo die Rückſichten auf ihre Umgebung Jerta zu einem raſchen Entſchluß, einer kurzen Antwort zwang. Ein Nein ließ ihn dann ſie für den Reſt des Abends ruhig überſehen, für Tage ihr ausweichen, und ſie hütete ſich daher, es auszuſprechen, da eine Verſöhnung nach einer ſolchen tagelangen Entfremdung ihr noch weitgehenderes Entgegenkommen abnöthigte, als das verlangte Zugeſtändniß. In dieſem Fall aber wußte ſie, daß ſie nicht allein im Hauſe der Tante zurückbleiben könne, wenn dieſe für Wochen nach Mercaduz gehe.
„Nehmen Sie dieſe Bitte zurück, Hektor,“ bat ſie angſtvoll, als Landrini artig der Tante den Mantel umlegen half, ohne ſich weiter um Jerta's Nähe zu kümmern, die ſchweigend und ſtumm der Tante gegen⸗ über geſeſſen, vor der Conte Landrini heute alle ſeine Liebenswürdigkeit, ſeinen raſchen, etwas ſcharfen Witz entfaltet hatte.—„Jede Frau erreicht was ſie wirklich will,“ ſagte er kühl und laut. Madame Santa⸗Croce wandte ſich fragend um, in ihrer Nähe galt nur ein Wille, und das war der ihre.
Als Jerta ihr ſchüchtern und ungewiß ihre Bitte vortrug, ſchlug ſie ihr dieſelbe und mit allem Recht ruhig ab, und Jerta fühlte das Unbe⸗ gründete derſelben viel zu gut, um einen zweiten Verſuch oder gar einen Vorwand zu verſuchen, und es blieb ihr nichts anderes übrig, als Landrini dies mitzutheilen, als er am nächſten Tag kam ſich von Madame Santa⸗ Croce zu verabſchieden. Er nahm dieſe Nachricht äußerlich ganz ruhig hin, nur die Lippen zuckten leiſe. So wie er am Abend zuvor in der Loge ſchon Madame Santa⸗Croce mit ſeiner Liebenswürdigkeit entzückt hatte, ſo verſtand er auch jetzt ſeine wirklich glänzende geiſtige Begabung zur vollſten Entfaltung zu bringen. Madame Santa⸗Croce lud ihn ein zum Diner bei ihr zu bleiben und war, wie ſie ſelbſt ihrem Gaſt einge⸗ ſtand, in roſigſter Laune. Wenn je, ſo wäre jetzt der Augenblick


