Jahrgang 
3 (1863)
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424 In der Fremde verirrt.

haben ſtatt des kalten blonden Conte Ettore, dann wäre uns beiden ge⸗ holfen, Heinrich und mir, denn dann machte ich dir den Landrini ſtreitig.

Der Brief ging noch eine Weile in dieſer Weiſe fort. Jerta ver⸗ ſtand nicht ganz, wie man von ſeiner Liebe in einem ſolchen Tone ſprechen könne, aber ſie entſchuldigte dieſen Uebermuth Clorindens mit ihrer bevor⸗ zugten glücklichen Lage, mit ihrer völligen Unkenntniß alles deſſen, was Ernſt und Sorge des Lebens heißen kann. So wenig ihr ſonſt Arthur Bondelli ein Intereſſe abgewinnen konnte, ſo ſchob ſie dies nur auf Land⸗ rini's geiſtige Ueberlegenheit, die jeden andern Mann neben ſich verdun⸗ kele, Heinrich Morotini ausgenommen, der ihm aber in nichts ähnlich und deßhalb nicht zu vergleichen war.

Liebe Schneekönigin, ſchrieb Clorinde,da ich nicht wie du nahe am Nordpol das Licht der Welt erblickte, ſo that ich etwas, was du ſicherlich tadeln wirſt und doch mir verzeihen mußt, ſüße, liebe Jerta. Bondelli hat mich flehend gebeten, mir ſchreiben zu dürfen; er ſagt, ich ſei ſeine Muſe, ſein Genius, ſeine Begeiſterung. Kann ich die Welt um einen Poeten bringen, ein vielleicht glänzendes Talent umkommen laſſen in der erſten Blüthe aus Mangel an Sonnenſchein? Nun ſteh, ſchriebe er mir, ſo käme der Brief zu Papa, und der würde nach der fremden Schrift fragen. Das geht nicht, ich darf Papa jetzt nicht einen zweiten Verdruß machen und vielleicht mein und Bondelli's Lebensglück rettungslos zerſtören. Bringe mir ſeinen Brief mit, es iſt kein Brief, ein Gedicht er könnte es in eine Zeitung ſchicken und da ſtände dann:An Sien, oderla mia stella, oder dergleichen wie profan, alles das auf Pa⸗ pieren, in die auch Käſe gewickelt werden kann! Du ehrſt ja die Poeſie, du ſagſt ja, daß Landrini den Weihekuß der Poeſie in der Seele empfan gen, das hebe ihn zugleich hoch über unſer Treiben und mache ihn unzu⸗ frieden mit einer Welt, die ſeinen edlen Beſtrebungen kein Genüge leiſten könne. Nun, Jerta, was du willſt, daß dir die Leute thun, das thue du auch uns. Bringe mir Bondelli's Brief mit, ſüße einzige Jerta, und mache dir keine Gewiſſensſcrupel, denn geſetzt, du ſchlägſt es mir ab, ſo finde ich doch einen andern Weg, nur vielleicht einen weniger ſichern, und ſo grauſam biſt du doch nicht, zu fordern, daß ich der Satzungen der Welt wegen, die du und dein Freund ſo tief unter Euch haltet, mei⸗ nes Herzens erſte Liebe ohne Kampf opfern ſoll. 4

Jerta lächelte zu dieſen Worten. Clorinde hatte mindeſtens ſchon ein halbes Dutzend erſterLieben gehabt, die ebenſo raſch wie ſie auf⸗