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Von Moritz Horſt. 419
für die ihr entgegengebrachte Freundſchaft, für bewieſene Schonung.— „Armes Kind,“ ſagte Heinrich noch einmal, als er zuletzt ſich von ihr verabſchiedet hatte und mit Clorinde zurück zu ſeinem Vater fuhr.
Clorinde hatte vor ihrer Rückkehr in's väterliche Haus noch eine halbe Nacht auf Jerta's Bett geſeſſen und dieſer ihre Liebe zu Bondelli an's Herz gelegt. In jeder anderen Stimmung würde dieſe die geheime Werbung des jungen, durch ſeinen Namen wie ſeine Stellung gleich un⸗ bedeutenden Mannes um die reiche Erbin mit weit mehr Mißtrauen be⸗ trachtet haben, jetzt aber, wo ſie ſelbſt ſich wunderbar in den Banden einer Neigung gefeſſelt fühlte, gegen die ſie ſich eines inneren Mißtrauens nicht erwehren konnte, hatte ſie das Bedürfniß, an eine gewiſſe Rück⸗ ſichtsloſigkeit, an einen ziemlich hohen Grad von Egoismus in jeder Liebe zu glauben.
Landrini hatte ihr auf ein ſchüchternes, bittendes Wort bei einer zu⸗ fälligen Begegnung geſchrieben. Er ſchrieb ſehr ſchöne Briefe, er ſchrieb, was der Rattenfänger von Hameln den Kindern vorſpielte, eine Me⸗ lodie, deren Leidenſchaft und Glut in die einſchmeichelndſte Form, in ver⸗ traueneinflößende, maßvolle Schönheit gebracht war, geiſtvoll und überlegt zugleich, wie man eben nicht ſchreibt, wenn man unter dem Zauber einer wirklichen tiefen Neigung ſteht. Mit dieſen Briefen hatte er Jerta zu ſeinem geiſtigen Eigenthum gewonnen, in einer Welt, die für nichts als materielle Genüſſe und äußeren Luxus Sinn und Verſtändniß hatte. Er ſchien dies alles noch weit mehr zu verachten, noch weit leichter zu ent⸗ behren als Jerta ſelbſt, und gewiß fühlte ſich das Mädchen dem Schreiber perſönlich gegenüber weit weniger in zärtlicher oder leidenſchaftlicher Innig⸗ keit und als ſein vollkommenes Eigenthum, als ſie ſich in der Stille ähres Zimmers einen ſolchen Brief leſend und wieder leſend mit allen khren begeiſtertſten Empfindungen von ihm beherrſcht und ihm zu eigen fühlte.
Aber dennoch kamen Stunden, wo ſie in geheimer Angſt an dieſe unbeugſame Härte, mit Furcht daran dachte, daß ſie dieſem Manne ſich Zeiſtig zu eigen gegeben, daß er ihr eben ſchon Worte geſagt, die ein Mädchen nur einmal im Leben anhören darf, nur von dem künftigen Gatten. Daß wenn Ettore Landrini dieſer künftige Gemahl nicht ſei, ſie eben ſeine Geliebte geweſen,— das Wort jagte ihr die heiße Glut in's Geſicht; in der Welt, in die ſie aus dem Waldfrieden ihrer Heimat ver⸗
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