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Von Moritz Horſt. 417
eines weiten weißen Reitermantels eines der anweſenden Gäſte gehüllt, als Foscarini unter Angiolina⸗Clorindens Balkon, und ſein ſchöner dunkler Kopf ſah melancholiſch vornehm aus wie ein Porträt van Dyks, während Clorinde in einem granatrothen Sammetgewande von Juwelen funkelte und weit mehr naive Freude an ihrer jungen Schönheit verrieth als jene ſtolze verhaltene Leidenſchaft, welche den Geliebten eher dem Schwerte es Richters ſich überliefern läßt, als daß ſie ihre Frauenehre preisgibt. Jerta begleitete dieſes Bild ſowie einige andere mit entſprechender Muſik, und ſie bewies, daß ſie jenen ſtolzen und doch keineswegs unweiblichen Charakter der venezianer Patrizierin ſehr wohl aufgefaßt habe. Die Töne quollen unter ihren Fingern hervor wie heiße Thränen, wie tief⸗ nnigſte Zärtlichkeit, die zwar den Feſſeln der Sitte ſich fügend, den Ge⸗ liebten doch nur ſterben läßt, ſowie in der Seele keinen Zug der angeborenen, Gott entſproſſenen Schön⸗ eit ſich durch den Flecken einer Schuld entſtellen laſſen kann.
Es war das 8. Bild, und was Foscarini Bondelli und die Sce⸗ nerie, ja Angiolina's Geſtalt betraf, das gelungenſte, das ergreifenſte durch die Muſikbegleitung. Heinrich hatte über dieſen Tönen ſeine frühere Verſtimmung vergeſſen und ſuchte Jerta auf. Sie nahm ſeine einfache, aber mit Wärme ertheilte Anerkennung ſichtbar dankbar an; ihr den ganzen Abend bleiches und trauriges Geſicht erhellte ſich, ſie ſah lächelnd uihm empor, und ſchon wollte er ihr einige Vorwürfe machen, daß ſie jede perſönliche Mitwirkung ſo entſchieden abgelehnt hatte, während gerade
um ihm nachzufolgen, und im äußeren Leben
ihr Geſicht durch ſeine Ausdrucksfähigkeit wie geſchaffen für ſolche Dar⸗
ſtellungen erſchiene, als ſie plötzlich erſchrocken nach der Thür blickte, die ſich hinter Heinrich befand und einem eben Eintretenden raſch entgegen trat. Heinrich wandte ſich um und erkannte ſeinen Unbekannken von vor⸗ hin. Als dieſer Jerta's raſche Bewegung ſah, war er, obwohl im Be⸗ griff ſich zurückzuziehen, ſtehen geblieben. Jerta ſtellte beide Herrn ein⸗ ander vor:„Conte Landrini, Herr Heinrich Morotini.“
Conte Landrini verbeugte ſich eiskalt.„Ich habe die Herrſchaften geſtört, und war ohnedies im Begriff zu gehen,“ ſagte er.— Jerta war blaß geworden bis in die Lippen, ihre grüßend ausgeſtreckte Hand fiel an der Seite herab, da Landrini ſie nicht erfaßte; ſie zitterte, ihre Bruſt hob
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ſſich heftig, aber in ihren Augen lag bloß Bitte und Demuth.— Ich
wollte mich bei Madame di Santa⸗Croce verabſchieden,“ ſagte Conte Hausblätter. 1863. III. Bd. 27


