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416 In der Femde verirrt.
daß Heinrich dieſe Abſichtlichkeit nicht entgehen konnte und er zum erſten⸗ male auf Madame di Santa⸗Croce's Seite zu treten ſich verſucht fühlte, welche Jerta oft genug des Undanks anklagte.
Verſtimmter als er ſich ſelbſt eingeſtehen mochte, daß auch auf dieſem ihm fleckenlos erſchienenen Bilde dieſer Zug kalter Berechnung nicht fehle, ſtand er eine Weile einſam in einer Fenſterniſche, als Clorinde auf ihn zurauſchte, dicht hinter ihr Arthur Bondelli. Ihr Auge überflog ſuchend die Gruppen; endlich entdeckte ſie den Bruder. Ohne allzuviel Ceremonie ſtellte ſie Heinrich den jungen Schöngeiſt vor, und noch im ſelben Athem ſetzte ſie hinzu:„Liebſter Heinrich, wir möchten Bilder ſtellen.“—„Ge⸗ denkſt du meine allzu lange Geſtalt dabei zu verwenden?“ fragte dieſer mehr geduldig als theilnehmend.—„Nicht wenn du es unbehaglich findeſt, aber wir bedürfen deiner doch. Jerta ſoll uns auf dem Klavier begleiten und will nicht.“
Clorinde ſprach laut und mit dringender Lebhaftigkeit; des Bruders leiſes Ablehnen irgend eines möglichen Einfluſſes auf Jerta's Willen wies ſie lebhaft zurück.„Wenn ihr ein Urtheil gilt, ſo iſt es deines. Sage ihr, daß ſie es recht gut vermagz; ſchlag' ihr ein paar Stücke vor, und alles wird prächtig gehen.“
Heinrich ſtand noch zögernd, keineswegs angenehm von dieſem Auf⸗ trag berührt, und als er wie um Abhülfe ſuchend um ſich blickte, begeg⸗ nete er einem paar durchdringend und doch kalt prüfend auf ihn gerichteten Augen, die einem Geſicht angehörten, das durch ſeinen regelmäßigen Schnitt und einen entſchieden intelligenten Ausdruck ſchön geweſen wäre, hätte nicht ein unangenehm hochmüthiger und faſt abſtoßender Zug es entſtellt, eine gewiſſe Starrheit und Gemeſſenheit, die etwas gemachtes, unangenehmes hatte. Wie viele ſehr hochgewachſene Leute hielt ſich Hein⸗ rich etwas nachläſſig, doch unter dieſem herausfordernd ſtarren und lauern⸗ den Blick richtete er ſich unwillkürlich aus ſeiner nachläſſigen Haltung zu ſeiner ganzen ſchlanken Höhe empor, und ohne daß ſein Geſicht durch einen ſpottenden oder ärgerlichen Zug entſtellt worden wäre, blickte er ruhig dem ihm offenbar nicht freundlich geſinnten Gegenüber in's Auge, mit der edlen Gelaſſenheit, die ihm ſeine wahrhaft vornehme und doch ſo humane Natur verlieh. Der Unbekannte erwiderte einen Augenblick dieſen Blick, dann wandte er ſich ab. Clorinde hatte ihm den Rücken zugekehrt und nichts von dieſer raſch ſich abſpielenden Scene bemerkt.
Eine Stunde ſpäter ſtand Arthur Bondelli in die maleriſchen Falten


