Jahrgang 
3 (1863)
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414 In der Fremde verirrt.

Verwandtſchaft mit Jerta nicht wiederholen, meinte er;ob begründet oder nicht, dein Wunſch hat in dem Umſtand, daß Jerta ſchon eine Wahl getroffen, ſeine Erledigung gefunden. Welche Anſprüche ich einſt an die Gefährtin meines Lebens ſtellen werde, weiß ich noch nicht, ſicher aber die, daß ſie weder vor mir noch neben mir andere Götter auf dem Altare ihres Herzens halte. Die Braut eines andern Mannes gilt mir als ſein geiſtiges Eigenthum und iſt mir alſo keine Frau mehr, ſondern nur ein Menſch, eine Couſine. Ein Freund möchte ich Jerta ſein, denn ich fürchte, ſie iſt ſehr einſam im Hauſe ihrer Tante.

Mercaduz iſt eine kleine aber hübſche Stadt, die Hauptſtadt des Be⸗ zirks, zu dem ſie gehört; ſie hat eine Garniſon, ihrer fruchtbaren und ebenen Lage halber, in einem weiten Thalkeſſel liegend, den hohe Berge umgeben, vorzüglich Cavallerie, ein Gymnaſium, mehrere Aemter, und vor allem iſt ſie der Sitz des zahlreichen meiſt aber verarmten Adels der Provinz. Man hört dort Namen, welche an die glänzendſten Zeiten der oberitalieniſchen Städteherrlichkeit erinnern, und wenn man nach den Trägern derſelben fragt, ſind es entweder ausgediente, in Penſion lebende Offiziere aller Grade, oder Nobili, die von dem Ertrage ihres Wein⸗ gartens mehr oder weniger kümmerlich in der kleinen Stadt leben; Frauen, die bei beſonders feſtlichen Gelegenheiten genug Diamanten auf ſich hängen, um von dem Verkauf derſelben beinahe ſtandesgemäß leben zu können, die dies aber nicht thun und dreihundertſechzig Tage im Jahre altmodiſchere und abgetragenere Kleider tragen, als die Zofe einer Dame der haute⸗ finance ihrer Unterzofe ſchenkt, die aber dafür durch keine menſchliche Rückſicht zu bewegen ſind, einer ſolchen Dame den Zutritt in ihre ſtreng abgeſchloſſenen Kreiſe möglich zu machen. So war es in Mercaduz be⸗ kannt, daß, wenn man in den wenigen ariſtokratiſchen Häuſern, die etwa ihre Empfangsabende hatten, Eintritt gewinnen wolle, man das reiche Haus der Morotini ſtreng und ein für allemal zu meiden habe.

Signor Morotini, glücklicher und ſehr reich, wenig hochmüthig, weil er zu viel Urſache zu gerechtem Stolze hatte, ſtellte ſolche Bedingungen nicht; er ſah gern Leute in ſeinem ſchönen reichen, mit allem modernen Luxus und Comfort eingerichteten Hauſe, er hatte ſchöne Pferde, gab im Herbſte Jagden und beſaß koſtbare Gewehre und wohldreſſirte Hunde, einen guten Koch und vortreffliche Weine, war ein intelligenter, in vieler Hin⸗