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412 In der Fremde verirrt.
und drückte Clorindens Arm feſter an ſich.„Das freut mich zu hören; ich fürchtete ſchon, das Leben wie du es führſt, ließe dich zu ſolcher Sehnſucht nicht gelangen.“—„Nicht oft, Heinrich,“ entgegnete ſie offen, „aber doch und immer, wenn ich Jerta klavierſpielen hörte— nicht auf Großmama's Befehl. Und überhaupt, wenn ich zuweilen mit ihr allein war und ſtie dann Anſichten und Gedanken ausſprach, von denen ich meinte, du würdeſt dasſelbe in demſelben Falle geſagt haben.“
Der junge Mann hatte halblächelnd zugehört.„Das iſt ſehr ein⸗ fach,“ ſagte er;„Jerta und ich, wir beide haben kein Kaufmannsblut, und wie ſie ſich nicht ohne geiſtigen Hochmuth, der Welt, in die ſte plötz⸗ lich verſetzt iſt, mit ablehnendem Stolz gegenüberſtehend, eine Schul⸗ meiſterstochter nennt, fühle auch ich, daß ich eher alles Andere ſein kann als Kaufmann, und ich fürchte, der Vater wird meine dahin zielenden, aber nicht zu vermeidenden Erklärungen über dieſen Punkt kaum ſehr ruhig aufnehmen. Und doch wird es nächſtens geſchehen müſſen. Guido wird meine Stelle einſt einnehmen und, wie ich hoffe, mich weit über⸗ treffen können; er iſt geweckt und klug. Doch das laſſen wir bis der Zeitpunkt kommt. Wie lange brauchſt du noch für hier, Clorinde? Ich habe Befehl, dich mit mir nach Hauſe zu nehmen.“
„Laſſen wir auch das, bis der Zeitpunkt wirklich kommt,“ parodirte Clorinde ſchmeichelnd und lächelnd;„ein paar Bälle gönnſt du mir doch noch, und wenn du mich nicht begleiteſt, haſt du Jerta, dir Beethoven vorzuſpielen.“—„Vielleicht könnte mich das in der That halten. Doch kannſt du nun einmal ernſthaft deine Meinung über Jerta's Verhältniß zu jenem Bewerber ausſprechen,— was iſt dieſer Ettore Landrini?“— „Jerta ſagt, ein ſehr gediegener, ſelten gebildeter und ernſter Mann; Großmama ſagt: ein ſehr liebenswürdiger, Papa: ein eingefleiſchter ariſto⸗ kratiſcher und zugleich ehrgeiziger Mann.“—„Und was ſagſt du?“— „Ich glaube daß Papa Recht hat.“—„Weßhalb ſucht er dann die thüringer Schulmeiſterstochter?“—„Er ſucht die Nichte der reichen Ma⸗ dame di Santa⸗Croce.“
Heinrich ſchüttelte den Kopf.„In Mercaduz lebte eine Conteſſa Landrini, deren Mann Kämmerer und Landſtand, ſie ſelbſt Sternkreuz⸗ ordensdame und ſehr ſtolz war.“—„Und ſehr wenig reich für ihren großen Stolz.“—„Dann aber fände ihr Sohn leicht eine weit reichere Partie als die Nichte deiner Großmutter, die ja drei eigene Kinder und außerdem Enkel hat.“—„Die Großmutter würde gerade im Falle einer


