Jahrgang 
3 (1863)
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Von Moritz Horſt. 409

ſchmeicheln gewußt, ſo würde ſie vielleicht alles das begünſtigt haben, was ſie jetzt wenigſtens mit Worten bekämpfte, doch auch vielleicht nur mit Worten, denn ihre Stimmungen und Launen waren wechſelnd, wie das Meer, an deſſen Ufer die reiche Stadt lag, in der ihr Mann ſo großen Beſitz erworben und die ſie wie viele andere faſt beſitzlos betreten hatte. Ma⸗ dame di Santa⸗Croce war ein armes Mädchen geweſen, die Tochter eines Gaſtwirths. Sie hatte dem jungen Handlungsgehülfen und ihre Schweſter einem jungen deutſchen Studenten ſich verlobt. Beide hatten ſich nach ein paar Jahren die Bräute abgeholt. Herr Santa⸗Croce hatte ſeiner Wittwe mehr als eine Million hinterlaſſen, der Schullehrer und Organiſt Braunhold in Eiſenach ſeiner Frau nur vier Kinder und eine unbedeu⸗ tende Penſton. Seit Jerta eingewilligt, der Tante Geſellſchaft zu leiſten, hatte Madame di Santa⸗Croce dieſe Summe verdoppelt, und Jerta durfte annehmen, daß manches unangenehme ihrer eigenen Lage den ihrigen die Dornen des Lebens milder ihren Weg ebener machte.

Am nächſten Morgen ſchien die Sonne hell und golden in den hübſchen Garten an Madame di Santa⸗Croce's Haus. Der Wind, der dort zu Lande den Winter bringt, war durch die Nachbarhäuſer von dem kleinen Fleckchen abgehalten; Veilchen, Hyacinthen und Crocus ſo wie Monatsroſen blühten hier, während oben auf den Bergen der Schnee lag. Heinrich Morotini trat eben in den Garten; er hatte ſich eine Ci⸗ garre angezündet, die er das Frühſtück erwartend, rauchen wollte. Da ſah er ſich Jerta gegenüber, die einen Strauß friſch gepflückter Blumen in der Hand, eben in das Haus zurückgehen wollte.

Welch' ſchöner Tag für den Februar, ſagte ſie freundlich grüßend, Roſen und Veilchen! Bei uns zu Haus liegt jetzt Eis und Schnee auf unſeren ſchönen Tannenwäldern.Die wo ſtehen, liebe Couſine? Jerta lächelte.Um Eiſenach, auf den Höhen des ſchönen Thüringer⸗ waldes, recht im Herzen Deutſchlands.Das iſt Ihre Heimat? Jerta nickte.Eine liebe und ſchöne.In viele Herzkammern ge⸗ theilt.Im guten und üblen ein treues Bild unſerer deutſchen Ver⸗ hältniſſe, kleine Ländergebiete kleine Städte, enge Verhältniſſe und doch durch alles dieſes die Möglichkeit, gerade in dieſen kleinen Städten einen Kreis gebildeter intelligenter Menſchen zu finden, ein auf geiſtige Inte⸗ reſſen gerichtetes Streben.Das Sie hier vermiſſen? Sie ſenkte die Augen und ſchwieg.Sind wir nicht Verwandte und dürfen als ſolche offen ſein? fragte Heinrich freundlich.