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In der Fremde verirrt.
deines blonden Landrini, dunkel wie die Nacht, aber wie eine Sternen⸗ nacht, himmliſch! Mit ihm zu tanzen, er tanzt—.“—„Auch himm⸗ liſch,“ ſagte Jerta lächelnd.—„Ja, ein anderes Wort iſt matt gegen dieſe Vollendung! Ein Wirbel, ein Schweben, ein Fliegen, alles auf Wogen der Muſik, und dabei blitzt er dich an mit den dunkeln ſchwarzen Augen! Er hat ſich Großmama vorſtellen laſſen und wird ſte beſuchen. Da wirſt du mir manchmal Nachricht von ihm geben, Jerta.“—„Erſt mußt du mir erlauben etwas näheres über ihn zu hören.“
„Das ſollſt du gleich,“ ſagte Clorinde und legte ſchmeichelnd den Arm um die Schulter der Freundin, und den Kopf an ihre Bruſt.„Er iſt nicht reich und nicht vornehm, dafür bin ich's; aber er iſt geſcheid und ehrgeizig und klug, und Conſulatsſekretär. Wenn er mich heirathet, kann er Conſul irgendwo werden oder ſelbſt Geſandter, wenn Papa ihm mit ſeinen Verbindungen hilft. Einen Freiherrntitel wird man wohl noch erringen können, wenn man erſt die Prinzeſſin von Mercaduz ge⸗ heirathet hat.“—„Wenn man ſie erſt geheirathet hat,“ meinte Jerta jetzt ernſt,„armes Kind!“— Clorinde hatte ſich aufgerichtet, um ihren Mund lag wieder jener wunderliche, halb ſpöttiſche, halb kalte, beobachtende Zug⸗ ihr Blick ruhte auf Jerta's ernſten, traurigen Zügen.„Du hoffſt ja auch auf das Glück,“ ſagte ſie,„und bin ich nicht reich genug für zwei?“
„Biſt du gewiß, daß er dich liebt,— ich meine, daß er nicht die reiche Erbin, das ſchöne junge Mädchen in dir ſucht, ſondern dich ſelbſt, deine innerſte Seele ſo wie—“—„Landrini dich liebt?“—„Ich glaube, ja.“—„Sag' mir, wie er dich liebt.“ Clorindens Blick hing geſpannt an dem Geſicht ihrer Couſine.— Dieſe ſagte:„Er weiß, daß ich ein armes, freundloſes, verlaſſenes Mädchen bin, nicht ſchön, nicht vornehm, nicht glänzend gebildet wie viele, nicht geiſtreich, oft traurig und gedrückt, und doch hat er mich allein geſucht, allein gewollt. Er ſucht keinen äußeren Vortheil, denn ich könnte ihm keinen zubringen.“
Clorinde hatte eine grauſame Entgegnung auf den Lippen, die Er⸗ innerung an den großen Reichthum ihrer Großmutter, die ja Jerta's Tante war. Und wenn ſie die Nichte im Haus weit mehr als Untergebene be⸗ handelte, ja härter als bezahlte Leute es ſich in unſeren Tagen bieten laſſen, ſo galt doch Jerta der Welt als ihre Nichte, fuhr neben ihr im Wagen, ſaß in der Loge neben ihr und trug nicht weniger reiche Kleider als Clorinde, wenn ſie in Geſellſchaft erſchien. An äußerem Takte fehlte es Madame di Santa⸗Croce nie, und hätte ihr Jerta nur ein wenig zu


