Jahrgang 
3 (1863)
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Von Moritz Horſt. 407

Jerta, wie kannſt du ſo unklug handeln!Haſt du je gehört, daß die Liebe die Leute klug mache? ſagte Jerta ſanft lächelnd.Die Liebe? rief Clorinde mit komiſchem Pathos und ſchlug die Hände zu⸗ ammen.Nennſt du das Liebe, wenn ein Menſch dem andern jede Lebensfreude mißgönnt, ja mehr als das, jeden freien Athemzug, jedes Wort, das du mit einem andern Mann nicht allein, ſondern mit irgend einem menſchlichen Weſen wechſelſt? Du mußt dich kleiden, wie eine Nonne; er findet es unpaſſend, daß du ausgeſchnittene Kleider und Farben trägſt,, die dir ſtehen; du ſollſt nicht tanzen, nicht zu Fuß ausgehen, nicht.Liebe Phurfnde, u unterbrach die junge Deutſche dieſen Redefluß,wenn ich nun eben einen Liebesbeweis in der Art fände, wie Conte Landrini mich vor allzuvielem Verkehr mit einer Geſellſchaft ſchützen möchte, die viele buntgemiſchte Elemente hat? Wenn er das Herz, dem er vertrauen will, eben reiner, ernſter, beſſer wünſchte, als ich jetzt leider bin?

Eine Italienerin, eine Südländerin überhaupt hat meiſt mit ſechzehn Jahren ſchon weit mehr Kenntniß über Menſchen und menſchliche Ver⸗ hältniſſe, als eine norddeutſche Matrone, die ſchon ihre erwachſenen Kinder in's Leben führt. Clorinde lachte nur; ſie kannte jenen Conte Landrini und ſeine Vergangenheit, die noch keineswegs abgeſchloſſen war, und lachte daher nur ſpöttiſch zu Jerta's Worten.Er traut niemand, weil ihm

löſt nicht zu trauen iſt, ſagte ſie.Dir das Tanzen zu verbieten es iſt beleidigend, ſo etwas nur zu denken!Er tanzt ſelbſt nicht und hält es alſo für kein Vergnügen. Sprachſt dn 3 ihm?Ich nöchte wiſſen wozu, da er eben nicht tanzt! Ich theile die Männer ein n Tänzer und Nichttänzer, auf Bällen eriſtiren letztere für mich nicht. Dann merke dir, Landrini macht übrigens nur Frauen den Hof natür⸗ ich!Weßhalb natürlich?Er iſt ſo häßlich, er compromittirt niemand.Clorinde, bat das Mädchen ernſt.Häßlich iſt er, wiederholte dieſe mit großer Beſtimmtheit.Ich fürchte, Heinrich ent⸗ ührt mich nun gleich nach Mercaduz; ſo ſehr mich ſeine Rückkunft freut, dätte ich doch gewünſcht, er wäre erſt nach dem Faſching angekommen. Weißt du, Jerta, daß ich verliebt bin? Dieſe ſchüttelte lächelnd den Kopf.Dann würdeſt du nicht ſo ruhig darüber ſprechen, meinte ſie.

Ich bin es, bekräftigte Clorinde ernſthaft und erhob ſich elaſtiſch und raſch aus dem Stuhle. Sie war weit größer als ihre keineswegs eleine Cöuſine.Der, den ich meine, iſt ſehr ſchön, der gerade Gegenſatz