Jahrgang 
3 (1863)
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ernſt und

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Diel

Menſchen

roßmama

ſich aufſ

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Von Moritz Horſt. 405

Mutter war als deutſche Erzieherin für die jüngeren Geſchwiſter in's Haus gekommen; nach langem Kampfe hatte der Sohn die Einwilligung der Eltern zu der Heirath mit dem mittelloſen Mädchen erworben, und dann war ſie bei der Geburt des Sohnes geſtorben.

Auch die Santa⸗Croce waren eine ſolche Familie, in der italieniſches, deutſches und ſchweizer Blut ſich kreuzten; Madame di Santa⸗Croce war eine Schweizerin von Geburt, hatte eine in Deutſchland verheirathete Schweſter und deren Tochter als Geſellſchafterin bei ſich. Dieſe war ein ernſtes, ſchlankes Mädchen, älter als Clorinde und mit dem Gepräge der entſchiedenſten Einfachheit. Schlicht geſcheitelt, lag ihr dunkles Haar an den Wangen und die ſchweren vollen Flechten berührten faſt die Schultern. Sie hatte ein reines ſchönes Profil. Auch Madame di Santa⸗Croce war in ihrer Jugend eine große Schönheit geweſen. Ihre Augen waren dunkelgrau, tief und ernſt, ſie hatte weit mehr Aehnlichkeit in ihrem ge⸗ haltenen, maßvollen Weſen mit Heinrich Morotini als deſſen junge Stief⸗ ſchweſter, die luſtig und übermüthig in dem zugleich gediegenen, präch⸗ tigen und bequemen Gemach auf und ab rauſchte.

Unterdeß hatte Gerda Braunhold oder wie ihr Name gewöhnlich gusgeſprochen wurde, Jerta, ihrer Tante Mantille, Fächer und Hand⸗ ſchuhe abgenommen und fragte zugleich, wie die Tante ſich auf dem Balle unterhalten habe; ſie beſorgte dabei den Thee mit einem Ernſt, der tiner Engländerin bei dieſem wichtigen Geſchäft Ehre gemacht haben würde. Der Blick der Tante war ſo wenig als der Ton ein freundlicher. Wenn du darauf gerechnet haſt, mich durch dein eigenſinniges Zuhaus⸗ bleiben in Verlegenheit zu bringen, ſo haſt du dich getäuſcht, ſagte ſie, denn niemand hat dich vermißt, auch die Perſon nicht, von der du es wahrſcheinlich als ſicher angenommen.

Jerta erröthete.Gewiß nicht, liebe Tante! Wer ſollte eine ſo unbedeutende Perſon wie mich vermiſſen? fragte ſie ſanft.Ich glaube richt, daß man meine Nichte für ſo unbedeutend hält, lautete die ſcharfe Antwort, vor der Jerta ſchweigend die Wimpern ſenkte. Sie hatte der Lante den Thee bereitet und reichte Clorinde eine zweite Taſſe. Heinrich tahm ſie ihr ab, und das Mädchen ſah ihm dabei in's Geſicht und be⸗ zegnete ſeinem klaren freundlichen Blicke. Heinrich Morotini war kein ſchöner Mann im gewöhnlichen Sinne des Wortes; ſeine Stirn, ſeine Augen, ſein Haar waren ſchön, ſein Mund wurde es im Lächeln, das ſelten war, und man erinnerte ſich dann des Dichterwortes, daß es Men⸗