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404 In der Fremde verirrt.
wenn einer es weniger iſt.“—„Aber nicht ſich mit ihm en spectacle geben.“
„That ich das, Großmama?“ ſagte das Mädchen jetzt ernſt und mit bittendem Tone,„das wollte ich nicht, gewiß nicht, oder vielmehr, ich dachte gar nicht, daß man Clorinde Morotini mit einem Menſchen wie dieſer Bondelli ernſthaft beſchäftigt glauben könne. Sieh, Großmama, ich bin ſtolz auf meinen Namen und meines Vaters Anſehen, und zuweilen meine ich, die Prinzeſſin von Mercaduz dürfe ſich manches geſtatten, was andere nicht haben,— einen Troubadour zum Beiſpiel, Schmeichler und Hofnarren. Müſſen wir ja ſo viele dulden!“
Der Wagen kam eben zu einem großen, ſtattlichen Hauſe; er fuhr in dasſelbe hinein, und die Glasthüren, welche das erwärmte Treppen⸗ haus abſchloſſen, öffneten ſich vor den Damen. Clorinde ſtieg leicht die Stiegen hinter der ſchwerathmenden Großmutter empor. Oben ſtand ein ſchlanker junger Mann, älter als Clorinde, aber von einer gewiſſen Aehn⸗ lichkeit in ſeinen Zügen mit den ihren.„Heinrich!“ rief ſie mit einem Jubelruf, ließ den weißen Mantel von den Schultern gleiten und das Bouquet auf den Boden fallen, daß es auseinanderfallend ſich auflöſſte, und lag ſelbſt jauchzend und glücklich in des Bruders Armen.„Mein transatlantiſcher Bruder, mein lieber Weltfahrer, mein einziger, ſüßer, lieber, kluger, gelehrter Bruder!“ Es war eine ganze Flut von Schmei⸗ chelnamen und Liebesworten, die über ihre Lippen floſſen, während der hochgewachſene junge Mann ſie mehr in das Zimmer trug als ſie ging. Auch dort ließ ſie ihn nicht aus ihren Armen, bevor ſie ſein Geſicht ſehr genau bei Licht betrachtet und ihn noch unzählige Male geküßt hatte.
Es währte eine gute Weile, ehe Heinrich Morotini dazu kam, Ma⸗ dame di Santa⸗Croce zu begrüßen; ſie war nicht ſeine Großmutter und ihre Begrüßung mehr eine höfliche als herzliche, obwohl der junge Mann nach einer fünfjährigen Abweſenheit von einer Reiſe aus Mexiko, Bra⸗ ſilien und Weſtindien zurückkehrte, die er in Handelsintereſſen unternommen hatte und von der er mehr als Naturforſcher denn als Kaufmann wieder⸗ kehrte. Die Morotini waren keineswegs eine italieniſche Familie. Der Großvater der beiden Geſchwiſter war als ein armer junger Handlungs⸗ gehülfe mit wenig Groſchen in der Taſche aus Deutſchland gekommen, hatte aber ſpäter, als er ſelbſt ſchon wohlhabend war, eine Italienerin ge⸗ heirathet und allmälig war ſein deutſcher Name Anton Moha in den weicher klingenden Antonio Morotini verwandelt worden. Heinrichs


