Jahrgang 
3 (1863)
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In der Fremde verirrt.

wunderſchönes reiches braunes Haar, das da, wo es in langen Locken auf die Schultern niederfiel, wie von Goldfäden durchzogen glänzte und weich wie ſeidene Schlangen zwiſchen den Blumenbüſcheln auf den Achſeln herabhing. Dieſes prachtvolle Haar allein wäre eine Schönheit geweſen, die großen ſammetſchwarzen Augen, die blendenden Zähne ließen den un⸗ regelmäßigen Schnitt, die etwas zu vollen Lippen überſehen. Alles in allem war Clorinde Morotini ein ſchönes Mädchen und die Tochter eines Fabrikherrn und Grundbeſitzers, den man den Prinzen von Mercaduß nannte, nach der Kreishauptſtadt des benachbarten Bezirks, in dem ſeine Beſitzungen großentheils lagen, obwohl er in Ungarn und Croatien gleich⸗ falls reich begütert war.

Ihr Tänzer war, wie ſchon erwähnt, ein ſehr ſchöner Mann, viel⸗ leicht der ſchönſte im Saal, groß, ſchlank, dunkel, etwas bleich, von tadel⸗ loſer Eleganz der Haltung, einer jener berufenen Helden des Salons,⸗ denen alle Frauenaugen wenigſtens einen kurzen Augenblick folgen, wenn auch die einen ihn mehr wie eine hübſche Verzierung, ein lebendes Bild anſehen, wie eine für ihren Ruf als elegante nothwendige Eroberung, einer jener tadelloſen Tänzer, deren Namen man auf der Tanzkarte haben muß, wenn man als Tänzerin en vogue ſein will, und mit deſſen Hul⸗ digung man einmal geneckt werden muß, wenn man tonangebende Königin der Saiſon heißen möchte. Außer ſeiner Schönheit beſaß Arthur Bondelli noch eine hübſche Stimme und ein angenehmes Talent für Improviſation, ein Band Poeſien von ihm war gedruckt worden; ſeine neueſten, feurigſten Sonette waren alle an Clorinde gerichtet, das war eine allgemein be⸗ kannte Sache.

Gute Nacht, flüſterte das Mädchen,Großmama ruft mich, da muß ich gehorchen; e a rivederla.Angebetete Clorinde, wann darf ich Madame di Santa⸗Croce meinen Beſuch machen? Oder ſehe ich Sie früher? Fliegt meine junge Königin morgen hoch zu Roß oder nachläſſig in die ſeidenen Kiſſen gedrückt in San Stefano an mir vorüber und ſchenkt mir einen ihrer ſonnigen Blicke? Es war ein ſeltſamer Aus⸗ druck, mit dem das ſchlanke junge Mädchen auf den Frager niederſah, der ſeinen ſchönen dunkeln Kopf tief vor ihr neigte. Die Lippen lächelten, die Augen blickten grüßend und ruhig.Wenn hübſches Wetter iſt, ſagte ſie leicht und doch nur freundlich, und einen flüchtigen Moment er⸗ widerten ihre Finger den Druck der ſeinen.

Clorinde, flüſterte der junge Mann, und es war wirklich Auf⸗