Jahrgang 
3 (1863)
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Von Wilhelm Müller. 399

Centrum, hatte ſeine Hauptmacht zwiſchen Bellwitzhof und dem Tauben⸗ berg und lehnte ſich links bei Schlaupe an die Neiße; jenſeits derſelben, von Schlaupe bis zum Mönchswald, ſtand Langeron bei Hennersdorf in einer von Natur ſehr feſten Stellung, deren Front durch einen Bach, deren Seiten durch die Neiße und den Mönchswald gedeckt waren. Nur ſchade, daß er ſich bereits der Möglichkeit beraubt hatte, dieſe Stellung gegen einen ernſtlichen Angriff zu behaupten. Sobald die Vorhut des Feindes gegen ihn anrückte, hatte er, den Rückzug für ausgemacht haltend, von ſeinen 130 Geſchützen alle bis auf 30 nach Jauer zurückgeſchickt.

Macdonald ſtieß gegen zehn Uhr Vormittags auf die Vorhut Lan⸗ gerons und Yorks. Sein rechter Flügel, das Corps von Lauriſtan, ſollte von Goldberg über Seichau und Hennersdorf nach Jauer vorrücken und hatte auf ſeinem Marſch ſehr wenige örtliche Schwierigkeiten; ſein Cen⸗ trum, das Corps von Macdonald und Sebaſtiani's Reiterei, ſollte bei dem Dorfe Kroitſch die Katzbach, bei Niederkraye die Neiße paſſiren, das ſteile Plateau erſteigen und auf demſelben gleichfalls Jauer zu gehen. Die beiden Flüſſe und der jäh abfallende Bergrand machte dieſe Marſch⸗ richtung zur ſchwierigſten. Der linke Flügel, das Corps von Ney unter Souham, hatte unterhalb Kroitſch die Katzbach zu paſſiren, mußte bei dieſem weiten Wege am ſpäteſten ankommen und auf ſeinem Marſch nach Jauer auf Sacken ſtoßen.

Als Sebaſtiani's Reiterei, welcher das Corps von Macdonald folgte, vor Kroitſch und Wültſch, auf dem linken Ufer der Katzbach, ankam, fand ſie dort die Avantgarde Yorks unter Oberſt Katzeler. Die preußiſchen Jäger und das übrige Fußvolk leiſteten eine Zeit lang entſchloſſenen Widerſtand, zogen ſich aber vor dem Kartätſchenfeuer des Feindes über die Katzbach und bei Niederkraye über die Neißebrücke, aber langſam, alle hundert Schritte Front machend, um der Armee Zeit zu verſchaffen, ſich auf dem Plateau aufzuſtellen. Die Franzoſen drangen ungeſtüm nach, gingen bei Niederkraye gleichfalls über die Brücke, die Reiterei durch die noch gangbare Fuhrt. Der Regen goß immer heftiger herab, hatte die Flüßchen bereits hoch angeſchwellt, raubte alle Ausſicht und machte, daß viele Gewehre nicht mehr losgingen. Von der Brücke an drängte der Feind bis Schlauphof hinauf und bis Dohnau hinab und ſuchte durch die Hohlwege und Schluchten das Plateau zu erſteigen. Eine Stunde lang hielt die Avantgarde in den Defiléen den mit außerordentlicher