Jahrgang 
3 (1863)
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Von Wilhelm Müller. 397

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Offenſive zu ergreifen, und durch die Reichenbacher Beſprechungen befugt, bei der nächſten Gelegenheit eine Schlacht zu liefern. Dieſe Geheimniſſe des Hauptquartiers hätten freilich recht wohl York mitgetheilt und ſeine Bedenken durch freundliche Rückſprache beſchwichtigt werden können, ſtatt er mit trockenen Befehlen abgeſpeist wurde; aber man war leider

bereits über gegenſeitige Rückſichten hinausgegangen, und wenn auch der alte Blücher in ſeiner unerſchöpflichen Friſche raſch im Zorn auffahrend ebenſo ſchnell wieder in guter Laune war, ſo empfand doch der hochher⸗ zige Gneiſenau deſto entrüſteter die Gefahr, die aus dieſen Widerſetzlich⸗ keiten der großen Sache des Vaterlands drohte, und wollte York um ſo weniger entgegenkommen, als dieſer ſelbſt nicht das geringſte Verlangen darnach zeigte. Uebrigens verkannte weder Blücher noch Gneiſenau Yorks militäriſche Tüchtigkeit, während dieſer von beiden glaubte, daß ſie ihrer Stellung nicht gewachſen ſeien.

Am 26. Auguſt marſchirte York in der Fruüh von Jauer ab und kam im ſtärkſten Regen, den ein heftiger Nordwind ins Geſicht ſchlug, zum Theil über tief aufgeweichtes Feld, wo vielen Soldaten die Schuhe im Lehm ſtecken blieben, über Brechtelshof hinaus bis zum Vorwerk Chriſtianshöhe, wo man um 10 Uhr Halt machte und unter ſtrömendem Regen weitere Befehle erwartete. Dieſe kamen um 11 Uhr, wo Blücher, welcher ſein Hauptquartier in Brechtelshof hatte, die Dispoſition zum Angriff ausgab, da der Feind von Hainau gegen Liegnitz vorgedrungen ſein ſolle. Sacken ſolle die Front des Feindes bei Liegnitz feſthalten, York bei Kroitſch und Dohnau über die Katzbach gehen und ihn im Rücken angreifen, Langeron unterhalb Goldberg auf die Höhen jenſeits der Katzbach vorgehen. Punkt zwei Uhr ſollten ſich dieſe drei Kolonnen in Bewegung ſetzen.

Beim Empfang dieſer Dispoſition erklärte Langeron voll Entrüſtung über dieſe Tollkühnheit des Obergenerals, daß er ihr nicht Folge leiſten werde. Er ſprach von geheimen Inſtruktionen, nach denen er ſich richten müſſe, und daß er ſein Corps nicht auf's Spiel ſetzen dürfe. Ja, er hatte Dreiſtigkeit genug, dem zu ihm geſandten Adjutanten, Lieutenant Gerlach, über Blücher zu ſagen:Ihr General iſt ein guter Haudegen, aber das iſt auch alles. Als ihm der Adjutant die Nothwendigkeit des Angriffs auseinander ſetzen wollte, ſetzte jener ſpöttiſch hinzu:Wir be⸗ dürfen bei unſeren Unternehmungen beſonders der richtigen Einſicht, aber