Jahrgang 
3 (1863)
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2 Von Wilhelm Müller. 393

Praxis, als der umſichtige Taktiker zu erſcheinen. Um dieſe Gegenſätze auszugleichen und zu verſöhnen, brauchte es nicht bloß den anerkannt guten Willen des Oberfeldherrn, ſondern vor allem einen Sieg, der die Leiſtungen eines jeden in das gehörige Licht ſtellte und beſonders die geiſtige 1ebense it des Hauptquartiers über alle Zweifel erhob.

So ſtanden die Dinge, als Blücher im Auguſt das Kommando über⸗ nahm. Nach den Waffenſtillſtandsbedingungen durften die Feindſeligkeiten erſt am 17. früh nach ein Uhr beginnen. Man hatte zwiſchen den beiderſeitigen Armeen einen Landſtrich von etwa zwei Tagmärſchen Breite als neutrales Gebiet bezeichnet, und da dieſes noch nicht ausgeſogene Land die Truppenverpflegung ſehr erleichterte und durch ſeine unvermuthete Beſetzung der Feind überraſcht und in eine nachtheilige Bahn gebracht werden konnte, ſo wartete Blücher begierig auf einen Vorwand, um noch vor dem angegebenen Termin einzurücken. Kaum hatte er gehört, daß der Feind das neutrale Gebiet betreten und ſich Requiſitionen erlaubt habe, ſo rückte er, den Waffenſtillſtand für verletzt erklärend, am 15. Au⸗ guſt mit ſeinem Heere in dem neutralen Landſtrich ein 3 beſiand am 17. ſchon an der Grenze der feindlichen Demarkationslinie, bei Liegnitz und Jauer, in der Nähe der Katzbach. Der Feind, verh nirgends ge⸗ ſammelt und zum Gefecht gerüſtet war, mußte weichen, und Blücher folgte ihm auf dem Fuße, entfaltete in deſſen raſtloſer Zurückdrängung, in Aus⸗ führung der anſtrengendſten Tag⸗ und Nachtmärſche ſeine ganze Energie. Unter fortwährenden Gefechten mußten die Franzoſen alles Land bis zum rechten Ufer des Bobers räumen, und es fehlte wenig, daß das ganze Corps von Ney, das nooch diesſeits ſtand, abgeſchnitten und vernichtet worden wäre. Nur der Ungehorſam Langerons und Sackens erleichterte es dem Marſchall, ſich über den Bober zu retten.

Während die böhmiſche Armee noch im tiefen Frieden ſtand, hatte Blücher den ihm gegenüberſtehenden Feind bereits zum Rückzug gebracht. „Die Lebendigkeit, mit der ſich alles in Bewegung ſetzte,“ ſagt ein fran— zöſiſcher Schriftſteller,„ließ bald erkennen, daß es Blücher war, der hier den Befehl führte.“ Auch hatte er nicht im Sinne, auf halbem Wege ſtehen zu bleiben, und beſchloß, die Verfolgung noch über den Bober hinaus fortzuſetzen. Er hatte Nachrichten erhalten, daß die böhmiſche Armee auf dem linken Elbeufer gegen Dresden vorrücken wolle, und Bernadotte ſchrieb ihm, daß Napoleon mit 100,000 Mann ſich gegen ihn