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Von Wilhelm Müller. 391
ſeiner ganzen militäriſchen Laufbahn, beſonders in der Schlacht bei Jena, auf dem Rückzug nach Lübeck und in dem ruſſiſchen Feldzug als ein Mann von Umſicht, von Entſchloſſenheit und von unübertrefflicher Zähigkeit ge⸗ zeigt. Ohne gelehrte Kenntniſſe zu beſitzen, verſtand er das Praktiſche des Dienſtes vollkommen, und wie er an ſich ſelbſt immer nur den höchſten Maßſtab anlegte, ſo verlangte er auch von ſeinen Untergebenen eine in's einzelnſte gehende Pünktlichkeit. Obgleich er die Napoleon'ſche Herrſchaft ſo ſehr als irgend einer haßte, ſo ahmte er 1812 doch nicht das Beiſpiel jener 300 Offiziere nach, welche ihren Abſchied forderten, ſondern nahm das ihm vom König übertragene Kommando über das preußiſche Hülfs⸗ orps an, welches unter dem franzöſiſchen Marſchall Macdonald in den ruſſiſchen Oſtſeeprovinzen operirte. Nach dem furchtbaren Gottesgericht, das über Napoleon und ſeine Armee hereinbrach, hatte ſich York die Frage vorzulegen, ob es für König und Vaterland beſſer ſei, wenn er das Hülfscorps mit den Franzoſen vereinigt laſſe, oder wenn er ſich von ihnen trenne. Die einfachſte politiſche Betrachtung mußte zur letzteren Ent⸗ ſcheidung drängen, und ſo ſchloß York, ohne vom König hiezu Befehl zu haben, im December mit den Ruſſen die Konvention von Tauroggen, wornach er ſein Corps für neutral erklärte und dadurch den Reſt der Franzoſen zu weiterem Rückzug zwang, die ruſſiſchen Heeresabtheilungen zu entſchiedenerem Vorrücken fortriß. Dieſe weltgeſchichtliche That gab den Anſtoß zur Erhebung des preußiſchen Volkes.
Aber ſo gern man bei Hof die günſtigen Reſultate dieſes kühnen Schrittes annahm, ſo ungern ſah man dieſes eigenmächtige Benehmen eines Generals, der ſeinem König den Weg, den er zu gehen habe, vor⸗ ſchreiben wollte. Dies hatte York noch in dieſen letzten Tagen zu em⸗ pfinden. Am 11. Auguſt kamen Kaiſer Alexander und König Friedrich Wilhelm nach Rogau, um das York'ſche Corps Revüe paſſiren zu laſſen. An Ausrüſtung und Bewaffnung ſtanden dieſe Truppen, beſonders die gegen 15,000 Mann betragenden Landwehrregimenter, den Ruſſen weit nach. Das Tuch zu ihrer Bekleidung war ſo mangelhaft, daß es beim erſten Regen zuſammenſchrumpfte; als Kopfbedeckung hatten ſie Mützen, die weder gegen Hieb noch Regen ſchützten, Beinkleider meiſt leinen, ſtatt der Stiefel Schuhe, welche bei Regenwetter im Koth ſtecken blieben. Auch Mäntel hatten nicht alle. Ja, ein Theil dieſer ſchleſiſchen Land⸗ wehren hatte im Mai noch mit Piken aufmarſchiren müſſen, weil man


