Jahrgang 
3 (1863)
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390 Bilder aus dem Leben Blüchers.

wieder unter dem Kommando eines andern und vollends eines Fremden, ja eines Preußen ſtehen ſolle. Er galt zwar für perſönlich brav und für einen Mann von Ehre, glaubte aber doch, daß die Vorſicht die noth⸗ wendigſte Eigenſchaft eines Feldherrn ſei, war daher mit der kühnen Krieg⸗ führung des Hauptquartiers durchaus nicht einverſtanden und ſtets voll Sorge, daß der bon sabreur(der tapfere Haudegen), wie er Blücher nannte, allzu verwegen vorwärts gehen und ihn mit in's Verderben reißen möchte.

Schon aus dieſen Gründen war er zu einer Oppoſition gegen die Befehle Blüchers ſehr geneigt; es kamen aber noch gewichtigere hinzu. Man hatte die Unbeſonnenheit begangen, ihm ohne Vorwiſſen Blüchers den Beſchluß der Trachenberger Konferenz, wornach Blücher allen ent⸗ ſcheidenden Gefechten ausweichen ſolle, mitzutheilen, vielleicht weil man in den höheren Kreiſen dem„alten Huſaren“ ſelbſt nicht, recht traute und für etwaige Fälle das ruſſiſche Corps dadurch ſicher zu ſtellen glaubte, daß man Langeron eine gewiſſe Selbſtſtändigkeit einräumte. Zugleich hatte man es nicht für nöthig gehalten, ihn von den ſpäteren Reichen⸗ bacher Verhandlungen in Kenntniß zu ſetzen, in welchen Blücher den Oberbefehl nur unter der Bedingung annahm, daß es ihm freiſtehe, den Feind anzugreifen, wo und wann er es für gut finde. Somit hielt ſich der vorſichtige Langeron auch amtlich für berufen, ſeinen Oberfeldherrn zu kontroliren, das wilde Feuer des Huſarengenerals zu zügeln und die heiße Atmoſphäre des Blücher'ſchen Hauptquartiers durch ruſſiſche Eis⸗ blöcke abzukühlen. Er erlaubte ſich gegen ſeinen Oberbefehlshaber eine Sprache und ein Benehmen, welches offene Renitenz und mehr als ein⸗ mal ſchuld war, daß die günſtigſten Chancen nicht verfolgt, die glücklichſten Operationen nicht fortgeſetzt, ſiegreiche Gefechte nicht mit voller Kraft ausgenützt werden konnten. Blücher, welcher von der Anſicht ausging, daß die Preußen den erſten und ſchwerſten Kampf auf ſich nehmen, die Ruſſen mehr nur Hülfe leiſten ſollen, zeigte zwar gegen dieſe die wohl⸗ wollendſten Geſinnungen und that alles, um die Eintracht zu erhalten, aber es konnte unter ſolchen Mißverhältniſſen, wenn er ſich nicht ſelbſt aufgeben wollte, nicht ohne die gröbſten Ausſchreitungen abgehen.

Weit unangenehmer aber als dieſer ruſſiſche Ungehorſam war das Verhältniß, in das ſich der eigene Landsmann, der Befehlshaber des preußiſchen Corps, zu ſeinem Oberfeldherrn ſetzte. York hatte ſich in