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Von Wilhelm Müller. 389
ſchleſiſchen und der böhmiſchen Armee zu bilden, und war daher weiter nach dem Rieſengebirge hin geſchoben. Ihm am nächſten ſtand Langeron, welcher den linken Flügel bildete, während York im Centrum, Sacken auf dem rechten Flügel war.
Aber eben das, daß der bei weitem größere Theil dieſes Heeres aus Ruſſen beſtand und doch der Oberfeldherr ein Preuße war, erzeugte unter jenen böſes Blut. Sie bedachten nicht, daß ihre Generale Kutuſof, Witt⸗ genſtein und Barcley drei Monate nach einander den Oberbefehl über ſämmtliche ruſſiſche und preußiſche Truppen geführt und ſich dieſer Stellung nicht gewachſen gezeigt hatten, und daß ihre Klage, es habe kein Ruſſe unter den drei Armeen einen Oberbefehl erhalten, im Grund genommen unbegründet ſei, da bei der böhmiſchen Armee Kaiſer Alexander zum mindeſten ebenſoviel Einfluß hatte als Fürſt Schwarzenberg ſelbſt. Auf Blücher waren ſie beſonders ſchlecht zu ſprechen, weil er durch ſeine offenen Aeußerungen über die ſchlechte ruſſiſche Heerführung ihr Nationalgefühl verletzt und ſich mit einigen ihrer Generale überworfen hatte, daher ſie gerade ihn am wenigſten gern zum Oberfeldherrn ernannt ſahen. Führte der niedere Offizier ſolche Scheingründe an, wozu noch das Prahlen mit dem ungeheuren Umfang des ruſſiſchen Reichs gehörte, ſo warfen die höheren Generale noch andere Momente in die Wagſchale, mit deren Richtigkeit und Stichhaltigkeit es nicht beſſer ausſah. Sie glaubten ſich zurückgeſetzt und wieſen im Gegenſatz zu Blücher, der nichts dergleichen anzuführen habe, auf ihre ſiegreichen Schlachten gegen Türken und Fran⸗ zoſen hin.
Am beſten war mit Baron Sacken auszukommen, der dreißig Jahre jünger war als Blücher und auch ſeinem Rang nach niederer ſtand. Seit 1807 war er wegen eines Zerwürfniſſes mit Bennigſen, der ihm die Schuld eines unglücklichen Geſechts zuſchrieb, in Ungnade geweſen und erſt 1812 wieder durch die beſondere Gunſt des Kaiſers in den aktiven Dienſt berufen worden. Er galt ſeither nicht für den gehorſamſten Ge⸗ neral, zeigte ſich ſo anfangs auch Blücher gegenüber, war aber doch bei ſeiner kampfluſtigen Soldatennatur meiſt bereit, dem Rufe Blüchers zu folgen und kräftig dreinzuſchlagen. Anders war es bei Graf Langeron, einem franzöſiſchen Edelmann, der zu Anfang der Revolution ausge⸗ wandert, in ruſſiſche Dienſte getreten und im Türkenkriege eine Zeit lang bereits Oberfeldherr geweſen war. Dieſen ſchmerzte es tief, daß er nun


