388 Bilder aus dem Leben Blüchers.
mit dem fremden Despoten entweder zu ſiegen oder mit Ehren unterzu⸗ gehen, hielt er für beſſer als dieſes langſame Hinſterben unter dem Hohn eines übermüthigen Gegners. Daher nahm er, als im Jahr 1812 Preußen ſeine Truppen unter den Befehl eines franzöſiſchen Marſchalls ſtellen und im aufgedrungenen Bund mit Napoleon gegen Rußland zu Feld ziehen mußte, ſeinen Abſchied und ging nach England, um, wie viele andere Offiziere, auf fremdem Boden für das Vaterland zu wirken.
Der Februar 1813 brachte auch ihn wieder zurück, und als er auf einem ſchwediſchen Schiffe in dem Hafen von Kolberg landete, entſtand in der Stadt eine ungeheure Begeiſterung.„Gneiſenau iſt da!“ ſcholl es von Mund zu Mund. Alles eilte auf die Straßen und vor ſein Quartier am Marktplatz, wo die Lebehoch kein Ende nehmen wollten. Die Bürger⸗ ſchaft zog in militäriſcher Haltung mit Muſik auf, eine Abtheilung uni⸗ formirter freiwilliger Jäger ſtellte ſich ihm vor, der alte Joachim Nettel⸗ beck, welcher 1807 bei der Belagerung der Stadt Gneiſenau mit ſo großer Aufopferung unterſtützt hatte, illuminirte Abends ſein Haus, die ganze Stadt machte es ihm nach, man beging ein Volksfeſt der edelſten Art. Wo ſolche Männer an die Spitze traten und ihren Degen dem Vaterland weihten, hielt man den Sieg für ſicher. Als ihm ſpäter das Kommando der preußiſchen Truppen bei der Nordarmee angetragen wurde, ſchlug er es aus und zog es vor, unter dem alten Helden Blücher die zweite Stelle anzunehmen und durch ſeine mehr unbemerkte Wirkſamkeit des Feldherrn Ruhm zu verherrlichen. An dem eigenen Ruhm lag ihm nichts; das Vaterland war ihm alles.
Wenn ſo bei dem ſchleſiſchen Heer die Stelle des Oberbefehls auf' beſte ausgeſtattet war und in der Spitze des ſchleſtſchen Hauptquartieré eine olympiſche Ruhe und Heiterkeit herrſchte, ſo brannten und züngelter in den unteren Regionen die Leidenſchaften um ſo heftiger. Auch dieſen Armee waren die inneren Schwierigkeiten nicht erſpart; nur lagen ſie hien nicht in dem Oberfeldherrn, ſondern in den Unterfeldherren. Das ſchleſiſche Heer beſtand aus drei Armeecorps: einem ruſſiſchen unter General Sacken, 17,000 Mann ſtark, einem zweiten ruſſiſchen unter dem Grafen Langeron mit 31,000 Mann und einem preußiſchen, das 38,000 Mann hatte, unten General York. Ein weiteres Corps von 13,000 Mann, das eigentlich zu Langerons Truppen gehörte und damals unter Pahlen, ſpäter unten St. Prieſt ſtand, hatte die Beſtimmung, die Verbindung zwiſchen der


