Jahrgang 
3 (1863)
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Von A. Ritter. 361

ſich gedrungen fühle. Nach Abſendung dieſes Schreibens machte ſich Michael Davenant nach Art eines Menſchen, der eben die Leitröhre einer Mine angezündet hat und nun in möglichſter Entfernung die Exploſion abwarten will, aus dem Staub, indem er im Geleit des Sachwalters mit Extrapoſt nach London fuhr.

Man kann ſich die Beſtürzung und wilde Verwirrung denken, welche das Billet in Nummer 7 Bellevueſtraße hervorrief; ſie zu ſchildern, ſind wir außer Stande, ſelbſt wenn wir alles Zeitungsgeſchwätz jener Zeit zu Hülfe nehmen wollten. Es genüge deshalb, zu bemerken, daß, nachdem das ſociale Ungewitter bis zu einem gewiſſen Grade erſchöpft und mit Gewißheit ermittelt war, Michael Davenant ſei nach London entwichen, der arme alte Großvater noch mit der Nachtpoſt nach der Hauptſtadt auf⸗ brechen mußte und die gemeſſene Weiſung auf den Weg erhielt, nicht

ohne den ſchnöden Verräther zurückzukehren, der, wie Miß Selina Curteis

beſtimmt zu wiſſen erklärte, nur deshalb einen ſo auffallenden Schritt ſich erlaubt hatte, weil die Mitgift allzuſpärlich bemeſſen worden. Der Groß⸗ papa ſollte Mr. Michael Davenant carte blanche geben.— Aber was nützte den Mr. Michael eine carte blanche, wenn auf dieſelbe nicht der Name Julia St. John eingetragen wurde? Hierüber kam der alte Mann bei Gelegenheit einer kurzen, zornigen Beſprechung bald in's Klare, und er kehrte kochend vor Wuth ohne Säumen wieder nach Diß zurück.— Die lange Reiſe bei dem ſchneidend kalten Märzwetter wirkte äußerſt ungünſtig auf die ſchon ſeit längerer Zeit leidende Geſundheit des alten Mannes, den ſchon in der erſten Woche nach ſeiner Rückkehr eine Bron⸗ chitis dahinraffte.

Es iſt nicht anzunehmen, daß er eine Ahnung von der Gefahr ſeiner Krankheit hatte, wenn nicht etwa ſchon früh Geiſt und Gedächtniß ihn im Stich ließ; denn ſonſt könnte man ſich kaum den Umſtand erklären, daß ſeine geliebte Selina, die er zu ſo großen Erwartungen herangezogen, ſich ſchon einige Tage nach ſeiner Beerdigung in beziehungsweiſe ſehr dürftigen Verhältniſſen befand.— Mr. Ambroſius Curteis hatte ein Teſta⸗ ment gemacht und in demſelben ſeine ganze gegenwärtige und zukünftige Habe der Miß Selina Curteis zugewieſen; die einzige daran geknüpfte Auflage betraf einzelne Geſchenke an die Dienſtboten und eine in viertel⸗ jährigen Raten auszubezahlende Jahresrente von hundert Pfunden an einen Ralph Miller in Holborn, London, ein ehrenhalber eingefügtes Legat,