360 Der Letzte der Davenants.
die Tapeziere und Möbelhändler thätig, um alles auf's prächtigſte einzu⸗ richten; der Großvater ſorgte für neue Dienerſchaft und neue Lioréen, und die Pfandgläubiger hatten die tröſtliche Anzeige erhalten, daß ihre Forderungen vierzehn Tage nach der Trauung bezahlt werden ſollten.— Die Pille war bitter; aber bei ſo dicker Vergoldung konnte ſie Davenant wohl hinunterſchlucken, ohne daß er daran zu erſticken beſorgen mußte.
Das war eine herbe Zeit für den jungen Mann, in welchem die Liebe zum Reichthum und die Leidenſchaft für Julia St. John noch immer im Kampf lagen; denn die junge Dame ſchien ihm, nun er ſie für immer verlieren ſollte, mit jedem Tag mehr Liebenswürdigkeit zu ent⸗ wickeln. Allein was wollte er machen— er, der keine ſechs Pence beſaß und zugleich nichts verſtand, um ſich auch nur einen einzigen zu verdienen? Der Vorabend des glücklichen Tages kam heran. Nur noch einige Stun⸗ den, und der von dem gewitzteſten Notar abgefaßte Ehevertrag war unter⸗ zeichnet und beſiegelt. Da langte plötzlich Mr. Farebrother, der klägeriſche Sachwalter in dem Prozeß Davenant contra Maskeyne, von London aus in Elms⸗Lodge an, um dem Sohn ſeines alten, hochgeſchätzten Klienten zu melden, daß Cuthbert Maskeyne nach ganz kurzer Krankheit vor einigen Tagen kinderlos verſchieden ſei und„als einen Akt gewöhnlicher Gerech⸗ tigkeit“ durch Teſtament über die ſo lange ſtrittigen Beſitzungen wie auch über ſein perſönliches Eigenthum zu Gunſten Michael Davenants verfügt habe. Das war einmal ein Glücksumſchwung! Auf's neue glänzte das ſtrahlende Bild der Miß Julia St. John an dem Hortzont einer nahen und goldenen Zukunft.
Kein Zweifel, daß Michael Davenant ehrenhalber verpflichtet war, den auch noch nicht unterzeichneten Ehevertrag zum Vollzug zu bringen, obſchon er den Reichthum, um deſſen willen er, wie auch die Braut wohl wußte, geworben, jetzt als bloßen Troß betrachten konnte. Doch wir alle ſind ſterbliche Menſchen, und es iſt wahrſcheinlich, daß unter ähnlichen Umſtänden auch viele andere ſo gehandelt haben würden, wie Michael Davenant, der jetzt ein Billet nach Nummer 7 der Bellevueſtraße entſandte und darin dem Mr. Curteis die Anzeige machte, der Schreiber ſei zur Einſicht gekommen, daß die beabſichtigte Verbindung weder zu ſeinem, noch zu dem Glück der liebenswürdigen Miß Selina Curteis beitragen könne; er, Michael Davenant, bedauere daher ungemein, erklären zu müſ⸗ ſen, daß er die getroffene Uebereinkunft für null und nichtig anzuſehen


