Jahrgang 
3 (1863)
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Von A. Ritter. 359

er die Wahrnehmung, daß ſie nicht da ja, daß ſie nicht einmal zu Bette gegangen war. Er rief ſogleich ſeinem Bruder, übertrug ihm die Arbeit, um deren willen er ſo früh aufgeſtanden, und machte ſich auf den Weg, um die Flüchtige, die ſeiner Meinung nach bei ihrem leidenden, geſchwächten Zuſtand die ſchreckliche Nacht nicht überlebt haben konnte, aufzuſuchen. Er konnte ſich denken, wohin ſie gegangen; auch halfen ihm da und dort Fußſtapfen, die der fallende Schnee noch nicht verwiſcht hatte, auf die rechte Spur, die ihn nach zwei Stunden ängſtlichen Suchens zu einem offenen Kuhſtall führte. Hier fand er ſeine Schweſter faſt beſin⸗ nungslos auf einem Häufchen Stroh liegen; ſie hatte ein todtes Kind neben ſich, in der einen Hand eine Scheere und in der anderen einen Wiſch hellen Haars, das ſie von dem Köpfchen des Kindes abgeſchnitten.

William brachte ſeine Schweſter nach dem Bauernhaus, zu welchem der Kuhſtall gehörte; ſie fand bei den Farmersleuten, denen ſie bekannt war, eine freundliche Aufnahme und ſorgfältige Pflege. Luciens Zuſtand ließ das Schlimmſte befürchten; indeß erholte ſie ſich nach einigen Wochen wieder und zog dann zu ihrer Tante. Nichts konnte ſie veranlaſſen, in das Vaterhaus zurückzukehren; ſie ſcheute ſich vor dem Schauplatz ihrer Schande und wollte auch ihren Vater nicht mehr ſehen. Das Haar, das ſie von dem Haupt des Kindleins abgeſchnitten, ſchien ihr ein koſtbarer Schatz zu ſein; ſie hatte es in ein Schloß faſſen laſſen und trug es be⸗ ſtändig am Hals. Hauptſächlich dieſem Umſtand iſt der Verdacht zuzu⸗ ſchreiben, der noch immer auf Lucie Burton wegen des unentdeckten Ver⸗ brechens haftet, das den Gegenſtand unſerer Erzählung bildet. Natürlich fand eine Unterſuchung ſtatt, und wir haben aus den Angaben, welche die Burtons vor Gericht machten, die bisher mitgetheilten Thatſachen ausgehoben. An dem Kind war keine Spur von Gewaltthätigkeit wahr⸗ zunehmen; doch erklärte ein Wundarzt mit Beſtimmtheit, daß es gelebt habe, das ſchwache Flämmlein aber wahrſcheinlich in Folge der ſtrengen Kälte erloſchen ſei. Das ärztliche Gutachten wurde maßgebend für den Wahrſpruch. Gegen Michael Davenant übte die öffentliche Meinung ein mildes Urtheil: Jugend iſt nicht Tugend und ſo weiter. Aber zum Un⸗ glück war es nicht dieſer Richter, vor dem Michael Davenant ſchließlich ſeine Miſſethaten verantworten ſollte.

Für die Vermählung des Mr. M. Davenant mit Miß Selina Cur⸗ reis wurden großartige Vorbereitungen getroffen. In Elms⸗Lodge waren