Von A. Ritter. 357
keit noch in der Lage, ihm eine von den Farmen überlaſſen und vielleicht ſo viel Kapital zuſammen bringen, daß der Sohn mit Ausſicht auf Er⸗ folg einen beſcheidenen Anfang als Landwirth machen konnte. Obſchon Lucien die Plackerei einer Bauernwirthſchaft zuwider war, meinte ſte doch, der Aufgabe vollkommen gewachſen zu ſein; die Frau eines Gentleman⸗ Farmers war doch etwas anderes, als die eines gewöhnlichen.
Es iſt beachtenswerth, daß Michael Davenant vor den Burtons ſorg⸗ fältig verbarg, in welche hülfloſe Lage ihn der Tod des Majors geſtürzt hatte. Er ſprach im Gegentheil ſtets von ſeiner Abſicht, nach London zu gehen; durch einen ſolchen Beſuch werden ſich die Angelegenheiten ſeines Vaters bald in Ordnung bringen laſſen. Woche um Woche entſchwand übrigens, ohne daß er daran kam, dieſes Vorhaben auszuführen. Auch verheimlichte er ebenſo ſorgfältig, daß er zu Diß immer häufiger das Haus eines gewiſſen Mr. Curteis, eines vom Geſchäft zurückgetretenen reichen Kaufmanns beſuchte, deſſen bei ihm wohnende Enkelin als die einzige Erbin des alten Herrn galt. Miß Selina Curteis beſaß keinerlei andere Reize, als die Geldſäcke ihres Großvaters, und Michael Davenant gehörte ungeachtet ſeiner herabgekommenen Vermögensverhältniſſe doch zum Land⸗ adel; der hübſche junge Mann, der ſich ſehr fein zu benehmen wußte, fand es daher nicht ſchwer, ſich bei einer Dame in Gunſt zu ſetzen, die vor Begier brannte, ſich mit ihrem Geld einen Mann zu erkaufen, wel⸗ cher ſie in die Reihen der niedern Locglariſtokratie einführte. Ihr Groß⸗ vater befand ſich in der Lage und war auch bereit, die auf den Elms laſtenden Schulden abzulöſen und den ſchönen alten Familienſitz anſtändig heraus zu ſtaffiren.
Der junge Davenant wußte, daß er den Reichthum und das Glück, welche Selina Curteis zu bieten vermochte, haben konnte, wann er wollte, und der Brief des Londoner Bankiers machte einen ſo vernichtenden Ein⸗ druck auf ihn, daß er, wenn ſein Verhältniß zu Lucie Burton nicht ge⸗ weſen wäre, keinen Augenblick geſäumt haben würde, um die Hand der Erbin zu werben, trotzdem, daß ihm ihre Perſon zuwider war. Aller⸗ dings muß er keine ſehr tiefe Zuneigung zu der gutausſehenden Farmers⸗ tochter beſeſſen haben, denn ſie war nachgerade völlig verdunſtet, und er zögerte mit ſeinem beabſichtigten Schritt nur noch, weil ihn ſein Gewiſſen ſchlug, vielleicht auch aus Mitleid oder aus Furcht vor den Folgen, da er den entſchloſſenen Sinn des Mädchens, ihre leidenſchaftliche Liebe zu


