Jahrgang 
3 (1863)
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356 Der Letzte der Davenants.

Die Lage eines ſo erzogenen jungen Menſchen, welchem es an allen Mitteln gebrach, der Welt einen Unterhalt abzuringen, war ohne Zweifel ſchrecklich. Er hatte keine fünf Guineen mehr übrig, und als er in ſeiner äußerſten Noth ſehnſüchtig den Blick in eine Richtung warf, die ihm ſichere Ausſicht bot, ſeine Vermögensverhältniſſe wieder zu ordnen und die Elms ſchuldenfrei zu machen, trat ihm ein Hinderniß entgegen, das er ſelbſt geſchaffen und das er ohne herzloſe Grauſamkeit nicht ſo platter⸗ dings beſeitigen konnte. In nächſter Zeit wenigſtens war an dieſen Aus⸗ weg nicht zu denken.

Farmer Burton hatte drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter, die ſich alle durch eine gewiſſe, von der Mutter ererbte Charakterunbeugſam⸗ keit auszeichneten. Als die Tochter Lucie, ein ziemlich hübſches, obſchon grobzügiges Mädchen, zwölf Jahre alt war, hatte Lady Poynton, die kinderloſe Wittwe des Sir Piers Poynton, eine Zuneigung zu ihr gefaßt, und ſie kam in Folge davon nach Stone Hall, wo ſie ſich ſechs Jahre als Dienerin und beſcheidene Geſellſchafterin der gnädigen Frau aufhielt, die ihr ſo weit eine Erziehung zu Theil werden ließ, daß ſie ihrer Gön⸗ nerin leidlich vorleſen und ein wenig auf der Harfe ſpielen konnte. Lucie Burton hatte ihr achtzehntes Jahr zurückgelegt, als der Tod der Lady ihr Anlaß gab, ſich wieder in die Heimat zu begeben, als ein Zwitter⸗ geſchöpf, das ſich zu hoch für die Farmgeſchäfte dünkte, aber gleichwohl der Bildung entbehrte, welche ſie für eine beſſere Stellung befähigt hätte. Die Eitelkeit iſt den Mädchen, wie unliebenswürdig ſie auch ſein mögen, angeboren, und Lucie that ſich ungemein viel auf ihren Umgang mit einer gnädigen Frau und ihr bischen Muſik zu gut, ſo daß es wohl begreiflich erſcheint, wenn ſie den Komplimenten und Aufmerkſamkeiten, die ihr Michael Davenant zollte, eine weit größere Bedeutung beilegte, als ſie wirklich verdienten. Welche Gründe ſie dazu berechtigten, wiſſen wir nicht, wohl aber ſo viel, daß ſie ſteif und feſt glaubte, der junge Mann werde ſie heirathen, ſobald ihn ſein Vater in die Lage geſetzt habe, ſich leidlich in der Welt fortzubringen. Auch kam oft zwiſchen ihnen ein Gegenſtand zur Sprache, der geeignet war, ſie in ihrer Ueberzeugung oder in ihrer Zuverſicht zu bekräftigen, ſofern er zeigte, daß nach Maßgabe der Umſtände die Partie für ihn nicht gerade eine unpaſſende war. Michael Davenant bildete ſich nämlich ein, ſein Vater, der wohl wiſſe, welche Freude er am Landleben habe, ſei trotz ſeiner verhältnißmäßigen Dürſtig⸗