352 Aus dem Bergiſchen.
glücklichen Geliebten, in herzlicher Umarmung fanden zwei alte Freunde
„verſöhnt ſich wieder, laut ſchluchzend voll inniger Theilnahme ſtützte ſich
die Tante, welche in Folge der erlebten Schreckniſſe in Bensberg erkrankt war und heute zum erſtenmale das Krankenlager verlaſſen, auf die Mutter Hermanns. Und dieſe faltete unter Freudenthränen die Hände und rief gerührt aus:„Gott ſchütze euch, ihr guten Kinder und gebe euch bald ſchönere Tage, als die, in denen ihr euch auf immer vereinigt!“
Drei Wochen ſpäter fand die Trauung der Verlobten in der Schloß⸗ kapelle zu Bensberg ſtatt, und die junge glückliche Frau zog mit Hermann nach Mühlheim, wohin auch der Oberamtsgerichtsadvokat ſich mit ſeiner Gattin wendete, und nur die Trennung von dem Vater und der treuen guten Tante erfüllte ſie bei deren Abreiſe nach Trausdorf mit ſtillem bangem Sehnen, das jedoch bald durch den ihr neu eröffneten Wirkungs⸗ kreis und die tröſtenden Nachrichten ſchwand, welche Hermann aus der Oberförſterei ſeinem Weibchen brachte. Dort hatte nebſt vielen andern Sicherheitsmaßregeln der Förſter Knaut auch eine mächtige Sturmglocke angeſchafft, deren Läuten weithin hörbar Hülfe von allen Seiten herbei⸗ zurufen beſtimmt war. Glücklicher geſtaltete ſich für dieſe einſame Wald⸗ gegend die ſpätere Zeit, und ob auch das bergiſche Land in dem darauf folgenden Jahre noch viel durch Einquartierungslaſt und Kriegsunruhen zu leiden hatte, ſo traf weder die Familie Stücker noch den alten Ober⸗ förſter und den Amtsſchultheißen Daniels im Laufe jener ſchweren Prüfungstage wieder ein ernſterer Unfall.
Ferdinand Stücker aber wurde nach Wien berufen, empfing aus den Händen des Kaiſers ein Lieutenantspatent und die völlige Ausrüſtung und trat mit Bewilligung ſeiner Eltern in die Schwadron ſeines Freundes Geyſar. In dieſer Stellung hatte er in der erſten Schlacht bei Alten⸗ kirchen den 4. Juni 1796 Gelegenheit, ſeinem Retter Richpanſe die ihm ſo edel bewieſene Theilnahme und Großmuth zu vergelten. Denn Riche⸗ panſe, welcher an der Spitze ſeiner Reiter die öſterreichiſchen Linien durch⸗ brochen und dafür ſpäter vom Obergeneral Kleber auf dem Schlachtfelde zum Brigadegeneral ernannt wurde, hatte ſich mit nur einigen Dragonern zu weit gewagt und wurde auf den Höhen von Meyenbuſch von einer Abtheilung Barko⸗Huſaren umringt. Sein Pferd, von einer Kugel ge⸗ troffen, warf ihn zu Boden, und ſchon ſchwang ein Huſar den Säbel über ſeinem Haupte, als Lieutenant Stücker ſich dazwiſchen warf, den


