350 Aus dem Bergiſchen.
ergriff dieſer des jungen Mannes Hand und ſprach tief bewegt:„Du kamſt in höchſter Noth, mein wackerer Junge! Nur wenige Minuten noch, und wir hätten den Elenden erliegen müſſen. Da aber der Wagen noch bereit ſteht, ſo wollen wir fort. Der Förſter Knaut bleibt, bis ich wieder zurückkehre, hier und wird dafür ſorgen, daß das Forſt⸗ haus ſicherer gegen derartige Ueberfälle verwahrt iſt und eine Beſatzung ſtreitbarer Männer in ſich birgt, die auch einen offenen Kampf mit einer ſolchen Bande nicht zu ſcheuen braucht.“
„Ja, Vater, was uns in dieſer trüben Zeit auch noch bevorſtehen möge, gräßlicheres kann uns nichts treffen, als was uns hier bedrohte,“ rief Ulrike und drückte zärtlich Hermanns Hand.„Denn nicht immer möchte ſo liebe und treue Hülfe uns zu Theil werden.“—„Darum auf nach Bensberg,“ drängte Hermann.„Laßt nichts zurück, was euch lieb und werth, denn hülfreiche Hände gibt es ja hier genug.“—„Es iſt alles ſchon wohl geborgen,“ entgegnete der Oberförſter,„und was hier bleibt, überlaſſen wir dem Schutz unſerer Leute, für deren Verpflegung Vorrath genug in Küche und Keller vorhanden iſt. Will's Gott, bin ich in wenigen Tagen wieder hier, und ich hoffe dann ſicherer geſchützt zu ſein, als bisher.“ —„und gut bewacht und verwahrt ſollt Ihr hier alles wiederfinden,“ ver⸗ ſicherte der Förſter Knaut und geleitete den Oberförſter und deſſen Tochter und Schweſter zum Wagen, welchen Hermann, von einer Schaar Be⸗ waffneter begleitet, ſicher nach Bensberg brachte, wo die Familie des Amts⸗ ſchultheißen die Schutzſuchenden mit herzlicher Theilnahme empfing.
Unter Leitung des Förſters Knaut aber verwandelte ſich das Traus⸗ dorfer Forſthaus zu einer mit Paliſaden umgebenen Feſtung, und die weitläufigen Oekonomiegebäude wurden zu Wohnungen einer treuen Schaar Waldarbeiter eingerichtet, für deren Beköſtigung die reichen Vorräthe der Lebensmittel preisgegeben wurden, die der wohlhabende und vorſorgliche Oberförſter bei Beginn der Kriegsunruhen in ſicherem Verſchluſſe aufbe⸗ wahrt hatte.
Ein glücklicher Zufall wollte, daß der edelſte der Befehlshaber der nur noch ſpärlich im bergiſchen Lande vorhandenen franzöſiſchen Truppen, Oberſt Richepanſe es war, welcher wenige Tage nach jenem bergiſchen Ereigniſſe die Beſchwerde des Oberförſters empfing und von mehreren Seiten beſtätigt fand, daß keiner der Marodeure mit dem Leben davongekommen, der ver⸗ rätheriſche Jägerburſche aber, welcher ebenfalls in die Hände des Land⸗


