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Von Eduard Gottwald. 349
hervor, und unter Hurrahruf drang eine ſtarke Schaar bewaffneter Landleute auf die blutgierige Bande ein, welche getäuſcht in ihrer Hoffnung, über die Beſatzung des Forſthauſes zu ſiegen, nun nach allen Seiten hin ent⸗ floh. Nach dem oberen Zimmer aber eilte Hermann, und von deſſen Degen tödtlich getroffen ſtürzte der Anführer zu Ulrikens Füßen nieder, indeß die mit dem Oberförſter im Kampfe begriffenen Marodeure von den ihrem Führer nachſtürmenden Landleuten niedergehauen wurden. Mit einem Ausruf der Freude ſank Ulrike in die Arme des geliebten Retters, wäh⸗ rend die in's Zimmer eingedrungenen Landleute den Oberförſter, der mit Anſtrengung ſeiner letzten Kräfte ſich gegen die Räuber gewehrt hatte, auf's Sopha führten und die herbeigeholten Mägde die aus ihrer Ohn⸗ macht erwachte und laut aufjammernde Tante nach dem oberen Zimmer brachten.
In wenigen Minuten war das Forſthaus von den Räubern be⸗ freit; die größere Zahl derſelben hatte unter den Händen der wutherfüllten Bauern geendet, oder war von den Kugeln der Jäger und Waldarbeiter niedergeſtreckt. Die Hunde, welche ihre Treue gegen ihren Herrn mit dem Tode bezahlt, waren hinweggeſchafft worden, ſammt dem im Zimmer ge⸗ bliebenen Anführer und einem ſeiner Leute; die Blutſpuren wurden ab⸗ gewaſchen, und tief in einem Dickicht des Waldes barg noch im Laufe des Tages die getödteten Feinde ein gemeinſames Grab, mit fünf dabei gefallenen Jägern und Waldarbeitern, welche zwei Tage ſpäter von den Ihrigen wieder ausgegraben und auf dem Friedhof zu Trausdorf einge⸗ ſenkt wurden. Keiner der Franzoſen aber war lebend zurückgekehrt, um Kunde von jenem Ueberfall ſowie von Vernichtung der Marodeurbande in's Hauptquartier des franzöſiſchen Oberbefehlshabers zu bringen.
Im Forſthauſe aber befand ſich der Oberförſter unter den Händen eines herbeigeholten Wundarztes, welcher zur Beruhigung des alten Herrn erklärte, daß keine ſeiner Wunden, deren er mehrere erhalten, gefährlich ſei und nur der Blutverluſt ſowie der Schreck und die Angſt um die Seinen ihn ſo entkräftet. Nach einigen Stunden Ruhe drang er ſelbſt darauf, mit nach Bensberg zu reiſen, und wollte keine Stunde länger die Tochter und Schweſter hier laſſen. Die Gegenwart Hermanns und das ſüße Bewußtſein, daß er der Retter aller geweſen, hatten Ulrike,
obgleich noch bleich und erſchöpft, bald das gräßlich Erlebte des Morgens
vergeſſen laſſen. Während ſie mit dem Geliebten an des Vaters Seite ſaß,


