346 Aus dem Bergiſchen.
alte Herr.„Ich bleibe hier auf dem mir übertragenen Beſitzthum und werde weit weniger Beſorgniß hegen, wenn ich euch in der uns befreun⸗ deten Familie des Amtsſchultheißen ſicher weiß; höchſtens,“ ſetzte er Ul⸗ riken ſcharf fixirend hinzu,„könnte mich beunruhigen, daß es von Mühl⸗ heim nach Bensberg näher iſt als nach Trausdorf, wo denn der Alte allein ſitzt“—„Hermann iſt mir überall nahe, lieber Vater,“ ſagte ruhig lächelnd die Tochter und half der Tante die letzten Stücke der mit⸗ zunehmenden Garderobe einpacken, indeß der Vater vor ſich hin brummend an das Fenſter trat und ein altes Jagdlied zu pfeifen verſuchte, dann aber ſich wieder nach den Seinen wendend ſprach:„Na, wir wollen hoffen, daß mir die Franzoſen nicht das Haus überm Kopf anzünden, denn dann allerdings müßte ich einſtweilen nach Bensberg.“—„Das wolle der Himmel verhüten!“ ſeufzte erſchrocken die Tante, und auch Ulrike wen⸗ dete ſich mit beſorgtem Blick dem Vater zu.
„Ja, Kinder, das muß man jeden Tag befürchten,“ bemerkte der Ober⸗ förſter,„und darum wird mir's leichter und wohler um's Herz ſein, wenn ihr erſt in Sicherheit.— Ich werde euch eine Anzahl bewaffneter Waldarbeiter
als Bedeckung mitgeben,— oder hat der Herr Oekonom vielleicht ſchon dafür Sorge getragen?“ fügte er halb ſpöttiſch hinzu.—„Ich habe aller⸗
dings an Hermann geſchrieben, daß wir heute Morgen noch nach Bens⸗ berg überſiedeln werden,“ antwortete erröthend Ulrike,„und er hat mir darauf ſagen laſſen, daß er bei ſo gefahrvollen Zeiten ſelbſt dafür Sorge tragen werde, uns ſicher an das Ziel unſerer Reiſe zu bringen.“—„So, ſo,— na, das iſt unter den jetzigen Umſtänden ſchon anzunehmen,“ entgeg⸗ nete ernſt der Oberförſter, umarmte herzlich Tochter und Schweſter und rief, eine innere gewaltſame Bewegung mit Mühe unterdrückend:„Nun Kinder, reiſet mit Gott und habt um mich keine Sorge; vielleicht wird's bald beſſer, und dann kehrt ihr in unſere Waldeinſamkeit zurück.“
Da ſprangen plötzlich zwei im Zimmer befindliche große Jagdhunde laut anſchlagend nach der Thür, und durch die Stille des Morgens drang ein wildes Geſchrei.„Zieht den Wagen zurück und ſchließt den Thor⸗ weg!“ ſchrie jetzt ein Jägerburſche, der im ſchnellen Laufe ſich genähert. „Die Franzoſen kommen!“—„Allmächtiger, erbarme Dich!“ jammerte die Tante leichenblaß und wankte nach dem Sopha.—„Vater, lieber Vater, bleibe bei uns!“ flehte Ulrike und klammerte ſich feſt an den Ober⸗ förſter, der raſch nach ſeinem Gewehr griff und den Hirſchfänger feſt⸗
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