Jahrgang 
3 (1863)
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Von Eduard Gottwald. 345

die Gewaltthätigkeiten der Marodeurbanden immer mehr überhand, ob⸗ gleich der franzöſiſche Obergeneral alle mit dem Tode bedroht hatte, die als Plünderer ergriffen würden.

Wiederholt hatte Hermann, voll Bangen um das Schickſal ſeines geliebten Mädchens an den Oberförſter die Bitte gerichtet, mit den Sei⸗ nigen nach Schloß Bensberg überzuſiedeln, in welchem nach dem letzten Ueberfall keine Beſatzung mehr geduldet werden ſollte, außer der pfälziſchen Invalidengarniſon. Die Bewohner dieſes dem Churfürſten von Bayern gehörigen Schloſſes erfreuten ſich in den wilden Kriegswirren jener Tage noch des meiſten Schutzes. Der alte Oberförſter aber, der mit den Seinigen bisher von allen Ueberfällen und Erpreſſungen der franzöſiſchen Marodeur⸗ banden unbeläſtigt geblieben war, wies dieſe Bitten mit dem Bemerken ab, daß er zwar darauf eingehen wolle, ſeine Tochter und Schweſter der ihm befreundeten Familie des Amtsſchultheißen Daniels zu übergeben; doch müſſe er auf ſeinem Poſten bleiben und habe an ſeinen Jägerburſchen und Waldarbeitern hinreichenden Schutz gegen ſolches Geſindel. Hatte bis jetzt indeſſen noch kein beuteſüchtiger Schwarm den Weg zu dem ein⸗ ſam liegenden Forſthauſe gefunden, ſo ſollte der Verrath gar bald eine ſolche Rotte dahin führen, da ein wegen Trunkſucht und Rohheit aus dem Dienſte des Oberförſters entlaſſener Jägerburſche aus Rache gegen den⸗ ſelben eine Bande Marodeure auf das Forſthaus aufmerkſam gemacht und ſich zum Führer derſelben erboten hatte.

Die Plünderung eines Forſthauſes bei Honsberg hatte den Ober⸗ förſter endlich bewogen, darauf zu dringen, daß Tochter und Schweſter unter ſicherer Begleitung nach Bensberg abreiſen ſollten, und nachdem man ſchon länger vorher alles werthvolle Eigenthum ſicher verborgen, war der Morgen des 7. Januar des Jahres 1796 zur Abreiſe beſtimmt. Koffer und Kiſten ſtanden gepackt, und in der neblichen Morgendämmerung hielt der mit zwei kräftigen Ackergäulen beſpannte Reiſewagen im Hofe des Oberförſters bereit, um die abreiſende Tochter und Schweſter des nun allein zurückbleibenden alten Herrn nach ihrer neuen Wohnung zu bringen. Noch vor dem Abſchiede beſtürmten die Abreiſenden den Zurück⸗ bleibenden, ſie zu begleiten und von Bensberg aus ſich einen Schutzbrief des Obergenerals für das Forſthaus als Eigenthum des Churfürſten zu verſchaffen, um dann geſicherter zurückzukehren.

Darüber, Kinder, erſpart euch jedes Wort, entgegnete hierauf der