Jahrgang 
3 (1863)
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344 Aus dem Bergiſchen.

der wieder im Schloſſe angelangte Amtsſchultheiß Daniels als bittende in's Hauptquartier geſendet, um dieſen für die unſchuldigen Bewohner des Dorfes Elend und Verderben bringenden Befehl rückgängig zu machen; ſie mußten mit Schmähungen überhäuft das Quartier verlaſſen, und ſchon war das Kommando beſtimmt, welches dieſes Vernichtungswerk ausführen ſollte; da wankte, matt von dem erlittenen Blutverluſte und mit noch ungeheilten Wunden, Ferdinand Stücker, von ſeinem Vater, dem Ober⸗ amtsgerichtsadvokaten begleitet, in das Quartier des gefürchteten und bitter ergrimmten Feldmarſchalls, welcher den jungen Helden freundlich aufnahm. Nach deſſen Betheuerung, daß kein Bewohner Bensbergs ſich zum Verräͤther hergegeben, ſondern nur die Feigheit des Kommandanten du Colombier die Schuld dieſes ſchmachvollen Ueberfalles trage, nahm er den Befehl zurück und richtete ſeinen Zorn gegen den Rittmeiſter der Emi⸗ granten, der ſich inzwiſchen eilig aus dem Staub gemacht hatte und ſpäter als Major derſelben blauen Huſaren zurückkehrte, welche ihm ſeine Pferde geſtohlen. So blieb er auch im Verdacht, daß er durch Begünſtigung jenes Handſtreichs ſich mit den franzöſiſchen Machthabern habe verſöhnen wollen.

Ein Bauer Namens Theodor Marx, welchen die franzöſiſchen Hu⸗ ſaren auf dem Felde ergriffen und gezwungen hatten, ſie auf Schleich⸗ wegen nach Bensberg zu führen, traf der Verdacht des Verrathes, und als derſelbe ſpäter verarmte und erblindete, hielten ſeine Landsleute dies als wohlverdiente Strafe für den den Feinden geleiſteten Führerdienſt.

Nach dieſem Ereigniſſe behielten, wie früher, abwechſelnd die Oeſter⸗ reicher und Franzoſen im bergiſchen Lande die Oberhand, letztere aber, nachdem Jourdan die Oeſterreicher wieder zurückgetrieben, zum Unheil des Landes auf längere Zeit. Unerſchwingliche Contributionen wurden mit barbariſcher Härte erpreßt, und faſt aus jeder Stadt und jedem Dorfe befanden ſich Magiſtratsperſonen und Ortsvorſteher als Geißeln im fran⸗ zöſiſchen Hauptquartiere. Die von Ferdinand Stücker und deſſen Ver⸗ bündeten von Zeit zu Zeit wieder geſammelte Streitmacht war zu ſchwach zu einem entſcheidenden Schlage, obgleich die geſammte männliche Be⸗ völkerung, der fürchterlichen Quälereien ihrer Feinde müde, ſtündlich bereit war, bei jeder ſich günſtig bietenden Gelegenheit zu den Waffen zu greifen, und manche Truppenabtheilung der Franzoſen wurde, beim Plündern kleiner Ortſchaften überraſcht, ein Opfer der Volkswuth. Aber trotzdem nahmen