Jahrgang 
3 (1863)
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Von Eduard Gottwald. 343

Raſtlos eilten die Franzoſen mit fünfundſechzig erbeuteten Pferden und ihren Gefangenen dem Orte Pfaffenrath zu, wo bereits größere Truppenmaſſen der wieder in die bergiſchen Lande einfallenden Maas⸗ und Sambre⸗Armee eingetroffen waren. Erſchrocken hatte der Ortsvor⸗ ſteher Kerp in Gladbach ſeinen hohen Vorgeſetzten, den Amtsſchultheißen, in der kläglichſten Geſtalt bei Fackelſcheine vor ſeiner Wohnung mitten unter einem Trupp Huſaren einige Augenblicke halten ſehen, und als Kerp fragte:Wohin, Herr Amtsſchultheiß, noch ſo ſpät Abends? hatte dieſer in tiefſter Betrübniß erwidert:Das mag Gott im Himmel wiſſen. Man hält mich für einen öſterreichiſchen Rittmeiſter!

Vergebens betheuerte Kerp dem franzöſiſchen Anführer, daß der Ge⸗ fangene der churfürſtliche Amtsſchultheiß ſei, und nur auf deſſen wieder⸗ holte Bitten wurde geſtattet, daß er dem vor Froſt in ſeinem Schlafrocke Zitternden einen Mantel umwarf und die durch den Ritt hinaufge⸗ rutſchten Beinkleider über die Schenkel herunterzog; dann aber ging es im ſcharfen Trabe weiter, und nun erſt, als man ſich in Pfaffenrath durch die einſtimmigen Ausſagen der Gemeindevorſtände überzeugt zu haben ſchien, daß man den Rittmeiſter nicht ergriffen hatte, entließ man den zum Tode erſchöpften und arg gequälten 3 usſihateihen, Cede Erlegung von

zwanzig Kronenthalern, die der dortige Ortsvorſtand Kierspel auslegen mußte, während man Daniels Uhr und Börſe zehole Dieſer kecke

Handſtreich gab dem franzöſiſchen Kriegsminiſter Aubert⸗Dubayet Gelegen⸗ heit, einen pomphaften Siegesbericht an die franzöſiſche Legislative zu überſenden, als ſei durch ein kleines Streifcorps der Maas⸗ Pnd Sambre⸗ rmee ein Armeecorps der Oeſterreicher vollſtändig geſchlagen worden und hie geſammten Pferde des Huſarenregiments Barko nebſt bedeutenden Fouragemagazinen in die Hände der Sieger gefallen.

Die Emigrantenſchwadron nebſt deren aus dem Verſteck wieder her⸗ vorgekommene Rittmeiſter, begab ſich, ſo viel davon noch vorhanden, den andern Morgen in's öſterreichiſche Hauptquartier nach Honnef, wo der Rittmeiſter nebſt ſeinen Leuten ſehr ungnädig empfangen wurde, alle Schuld aber auf die Bewohner des Dorfes Bensberg zu wälzen ſuchte, die er als Verräther bezeichnete, welche den Franzoſen einen unbewachten Seitenweg zum Schloſſe und dem Lager der Huſaren gewieſen. Wüthend Harüber befahl der öſterreichiſche Feldmarſchall Kray, daß man Bensberg ſiederbrennen ſolle, und vergeblich wurden der Schloßvoigt Moreau und