342 Aus dem Bergiſchen.
fahr habe, ſtürzte er fort nach der Wohnung des Amtsſchultheißen, der, durch ein Getümmel im Schloßhofe aufmerkſam geworden, erſchrocken im Schlafrock und Pantoffeln nach dem Schenkzimmer eilte und daſelbſt den Warnungsruf Stückers vernahm. Dieſer eilte ſofort wieder auf einem Seitenwege dem Dorfe zu.
Erſchrocken ſprangen die Offiziere und Beamten auf, der Rittmeiſter in den nahen Garten, wo er ſich in einem Luſthauſe verbarg, der Lieutenant aber nach den Baraken der Huſaren, die dem Befehle gemäß ohne Wach⸗ poſten und deren Pferde ungeſattelt geblieben waren. Hier ſah er mit Ent⸗ ſetzen über 200 Mann blauer Elſäſſer Huſaren, bereits in dem Beſitz der Pferde, auf welche überhaupt der Ueberfall abgeſehen geweſen, und deren Reiter zum Theil ſchon gefangen genommen oder entflohen waren. Ehe er noch Zeit hatte, ſich zu flüchten, da an eine Gegenwehr nicht zu denken und auch die Kaſerne der Invaliden von einer ſtarken Ab⸗ theilung Grenadiere zu Pferd kampfbereit bewacht war, wurde auch er ergriffen und als Gefangener in die Weinſtube geſchleppt, um dort Zeuge zu ſein, wie alle noch vorhandenen vollen Weinflaſchen unter höhniſchem Gelächter über die tapfere Schloßbeſatzung von den Huſaren geleert wurden, während man auch den Amtsſchultheißen in ſeinem Hausanzuge feſtge⸗ nommen hatte; man glaubte nämlich, in ihm den Anführer der Bourbonſchen Huſarenabtheilung ergriffen zu haben, ſchleppte ihn nebſt den übrigen Gefangenen auf den erbeuteten Pferden mit fort und trat unter Ver⸗ wünſchungen, Drohungen und Gelächter den Rückzug an.
Hermann war zu ſpät gekommen, um rechtzeitig zu warnen, denn dreimal unterwegs von umherſtreifenden feindlichen Huſarenabtheilungen aufgegriffen, hatte er ſich eine Stunde von Bensberg nur durch einen kühnen Fluchtverſuch aus deren Händen gerettet, ohne daß die nach⸗ geſendeten Kugeln der Verfolger ihn getroffen. Sein Knecht war als Gefangener feſtgehalten, doch nach wenigen Stunden ſeines Pferdes be⸗ raubt wieder entlaſſen worden. Als Hermann den letzten Verſuch wagte, vor Eintreffen der Feinde noch auf's Schloß zu gelangen, waren dieſe hart hinter ihm her, und nur auf den ihm bekannten Nebenwegen war es ihm geglückt, ſich im Dorfe zu verbergen, bis die Feinde wieder ab⸗ gezogen, die auch gar nicht die Abſicht hatten, ſo lange zu verweilen, bis die Bevölkerung Bensbergs und der nahe liegenden Orte zur Unterſtützung der Schloßbewohner hätte herbeieilen können.
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